Die Schiene hat oberste Priorität

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„Die Schiene hat oberste Priorität“

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Region Oberland – Nach den Zugausfällen während des K-Falls im Januar dieses Jahres sind sich Kommunalpolitiker und Verkehrsunternehmen einig: Es muss einiges verbessert werden, um auf solche Ereignisse in der Zukunft besser vorbereitet zu sein. Dazu fand kürzlich ein gemeinsames Treffen mit Vertretern der Kommunen und der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) statt; erstmalig dabei waren auch Vertreter der Deutschen Bahn (DB).

Holzkirchens Rathauschef Olaf von Löwis of Menar zeigte sich mit dem Bahngespräch zufrieden: „Die Deutsche Bahn hat jetzt eingeräumt, dass einiges in ihrem Zuständigkeitsbereich nicht gut gelaufen ist und dass etwas passieren muss. Damit haben wir eine stabile Grundlage für eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Nur so können wir sicherstellen, dass sich dieses Bahn-Winterchaos nicht noch einmal wiederholt.“

Auf Einladung von Bürgermeistersprecher von Löwis of Menar kamen im Holzkirchner Rathaus die Bürgermeister Johannes Hagn (Tegernsee), Josef Lechner (Fischbachau), Leonhard Wöhr (Weyarn) und Jens Zangenfeind (Hausham), vom Landratsamt Miesbach Verkehrsfachbereichsleiter Peter Schiffmann und sein Kollege aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Matthias Schmid, von der BOB Geschäftsführer Fabian Amini und sein Stellvertreter Veit Bodenschatz, von der DB Dr. Herbert Scheller (DB Netz), Bahn-Sprecher Michael-Ernst Schmidt, Helmut Zöpfel (Leiter Bahnhofsmanagement Rosenheim) und sein Stellvertreter Dietmar Kaiser sowie Gabriele Dorby (Leiterin des Stimmkreisbüros von Ilse Aigner) zusammen. Ziel war es, konkrete Schritte einzuleiten, wie der Bahnverkehr im Oberland künftig stabiler fließen kann.

„Bereits jetzt, nach der Thematisierung auf der Bürgermeister-Dienstbesprechung und nach dem Gespräch mit der BOB-Geschäftsführung Ende Februar sind konkrete Fortschritte erkennbar“, betonte von Löwis of Menar.

Einig sind sich die Beteiligten in ihrem klaren Bekenntnis zur Bahn. In einer angespannten Lage oder dem Katastrophenfall hat die Schiene absolute Priorität. Bürgermeister Hagn brachte es auf den Punkt: „Zuerst müssen wir die Schiene fit machen. Sie ist das Verkehrsmittel der Zukunft und das Verkehrsmittel, das bei gefährlichen Wetterlagen am sichersten ist.“ Deswegen gelte beispielsweise bei der Schneeräumung: Erst die Schiene, dann die Bundesstraße, dann die Nebenstraßen. Angesichts Tausender betroffener Zugfahrgäste hoffe man dabei auch auf das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger.

Damit dies in Zukunft besser gelingen kann, haben DB, BOB und Bürgermeister ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt, um in deutlich kürzerer Zeit deutlich schlagkräftiger auf herausfordernde Wetterlagen reagieren zu können. Der erste Teilbereich umfasst die Räumtechnik: Es werden technisch weniger anfällige Pflüge und Fräsen angeschafft. Dazu gehört ein optimiertes Abstellkonzept, damit Geräte schnell verfügbar sind. Ebenso soll die Qualifizierung der Mitarbeiter vorangetrieben werden, damit diese routinierter mit den Maschinen arbeiten können.

Ein weiterer Punkt betrifft die technische Ausrüstung der Strecken. „Das Problem“, so erklärte Scheller, „ist hier die hohe technische Komplexität – mehrere Technologien in unterschiedlichen Altersstufen. Wir haben hier sehr alte Technik, kilometerlange, freiliegende Leitungen, die von Hand freigeschaufelt und enteist werden müssen. Hier kann man nicht einfach Streusalz draufwerfen.“ Konkrete Maßnahmen, welche die DB hier ankündigt: Freileitungen im Boden versenken, Bahnübergänge wie in Schaftlach stabilisieren und Weichenheizungen optimieren.

Die dritte Maßnahmensäule betrifft die Vorbereitung auf strenge Winter, die jetzt im Sommer festgezurrt werden soll. Hier ist ein detailliertes Einsatzstufenkonzept auszuarbeiten, „um bei extremen Wetterlagen schnell die Komplexität herunterfahren zu können“, erläuterte Scheller. Damit werde zwar weniger Leistung angeboten, diese soll dafür aber stabil laufen. In einer sogenannten Wintermappe werden zudem alle Handlungsanweisungen für Räum- und Einsatzkräfte detailliert ausgearbeitet und festgelegt.

Die vierte Säule betrifft laut Scheller die Fahrwegdienste: „Wir wollen die Qualifizierung unserer Räum- und Einsatzkräfte vorantreiben. Es wird eine Rufbereitschaft für Vegetationsprobleme installiert und ein verbessertes Ortungssystem für Räumpersonal.“

Gemeinden und Bahn wollen beim Schneeräumen enger zusammenarbeiten. Dass Bauhofmitarbeiter aber nicht einfach im Sicherheitsbereich am Gleis arbeiten können, erläuterte Zöpfel. Was aber möglich sei, dass Bauhofmitarbeiter oder auch das Technische Hilfswerk (THW) den Bahnhofsbereich vorbereiten. Dazu gehören Schneeräumen oder das Schaffen von Lademöglichkeiten für Lkw, welche den Schnee abtransportieren. Hier soll es Einweisungen von der Bahn an die Bauhöfe geben. Dies sei einfach umzusetzen, stellte Bürgermeister Lechner fest: „Wir gehen die Bereiche einmal ab – und die Sache hat sich.“

Einen hohen Stellenwert räumen Bahn-, BOB- und Gemeindevertreter dem Bereich Kommunikation ein. Bereits beschlossen war die Einbindung der Schiene in das K-Team. Verbessert werden soll auch die Kommunikation des Einsatzpersonals untereinander, mit Gemeinden und Anrainern und vor allem mit den Fahrgästen.

Stellvertretend nutzte Lechner die Gelegenheit, um noch mal die missglückte Kundenkommunikation anzusprechen, wenngleich BOB-Geschäftsführer Amini betonte, dass das ein deutschlandweites Problem sei: „Früher habe ich am Bahnsteig eine Durchsage bekommen und wusste Bescheid. Mittlerweile haben wir die Vergangenheit an allen Bahnhöfen abgebaut, sind aber noch nicht in der Zukunft angekommen.“ Was bleibe, sei ein ahnungsloser Bahnreisender. Amini betonte, dass es mit der App der BOB schon gut laufe, die Fahrgäste via Handy zu informieren. „Wir dürfen nicht vergessen: Wir befinden uns hier erst noch im Aufbau“, resümierte Amini.

Die Komplexität in der Reiseinformation zu reduzieren, welche die derzeit zuverlässige Informationsweitergabe an die Kunden einschränkt, „ist ein sehr dickes Brett“, betonte auch DB-Sprecher Schmidt. Die Bürgermeister gaben das aber dennoch als Hausaufgabe mit. Das nächste Bahngespräch der Arbeitsgruppe ist für Mitte Juli vorgesehen. Dann sollen gemeinsam weitere Maßnahmen und Fortschritte besprochen werden.

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Beim Treffen zum Thema „Die Schiene hat oberste Priorität“ (v.l.): Fabian Amini, Leonhard Wöhr, Olaf von Löwis of Menar,
Michael-Ernst Schmidt, Peter Schiffmann, Matthias Schmid, Johannes Hagn und Herbert Scheller

-am- Bilder: am + gd

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