Konferenz „Anders wachsen“ hatte den Gesellschaftswandel im Fokus

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Konferenz „Anders wachsen“

hatte den Gesellschaftswandel im Fokus

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Region Miesbach –Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz Anders wachsen!“, zeigte sich Initiatorin Monika Ziegler erfreut. „Der Saal im Waitzinger Keller war gut besetzt und die Besucher haben toll mitgemacht. Die Anregungen und Ideen, die entwickelt wurden, haben wohl alle Teilnehmer überrascht. Hier konnte jeder der Experten und der Besucher etwas positives mitnehmen!“

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Stefan Scheider und Monika Ziegler hatten mit der Konferenz „Anders wachsen“ den Gesellschaftswandel im Fokus

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Bereits bei der Anmoderation kündigte Stefan Scheider verheißungsvoll an: „Momentan hat man das deutliche Gefühl, dass etwas in der Luft liegt, was man fast schon mit den Händen greifen kann, dass sich etwas in unserer Gesellschaft verändert. Was ist es? Sind es Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Naturschutz, Ernährung oder Soziales ? – Ja, unsere Gesllschaft ist bei diesen Themen wacher geworden. Es tut sich in allen Richtungen etwas, es bewegt sich sehr viel! Auch bei den Schülern!“

Drei Schülerinnen der Oberland Realschule Holzkirchen präsentierten ihr Projekt – welches sie im Rahmen der „Konferenz der Kinder“ von Johannes Volkmann durchführten – dem Publikum vor: Sie hatten Shirts mit ihren Ideen und Visionen für die Zukunft versehen und diese als Diskussionsgrundlage in Holzkirchen zur Schau getragen. Manch heißer Disput wurde mit den Erwachsenen ausgefochten, erzählten sie, doch letztendlich unterschrieben selbst Anwälte als Bekenntnis zum Natur- und Tierschutz auf den Shirts.

Moderator Stefan Scheider wollte anschließend von den jungen Damen noch ganz genau wissen, ob sie selber auch schon etwas für die Nachhaltigkeit geleistet haben. Diese teilten mit, dass sie u.a. die allgemeinen Plastikverpackungen nicht gut finden.

Anschließend wurden die Experten von zehn Gesellschaftsbereichen vorgestellt. Bei einer Redezeit von jeweils fünf Minuten konnten diese ihre Fachbereiche vorstellen. Die Zeit wurde von der Musikgruppe Drei d‘ Accord genauestens überwacht. Der jeweilige „Zeit-Überzieher“ wurde – ganz zur Freude des Publikums – mit der Einspielung des Liedes „Wer hat an der Uhr gedreht“ erbarmungslos gestoppt.

Als erster Referent sprach Laura Mandl, SPD-Stadträtin der Stadt Tegernsee zum Thema Politik. Die junge Frau bekannte, dass Politiker den Weg einer Gemeinde vorgeben und sie anfänglich voller Illussionen in den Stadtrat ging, um schließlich von der Realpolitik eingeholt zu werden. Sie plädierte für eine Politik, welche die Bürger mitreißt und möchte Konzepte für bezahlbaren Wohnraum, was u.a. das Verbieten von Zweitwohnungen miteinbezieht – sowie eine nachhaltige Verkehrpolitik vorantreiben. Ihre Vision sei die „Gleichberechtigung in der Politik“, dass Frauen ebenso ernst genommen werden wie Männer und gleicher Verdienst endlich Fakt wird.

Zum Thema Jugend stellte der Fachinformatiker Simon Orlando aus Holzkirchen die Arbeit und die Projekte des Kreisjugendrings im Landkreis Miesbach vor. Er, als Vizechef des Kreisjugendrings Miesbach, erklärte insbesondere die Jungendarbeit in den Jugendzentren sowie die Zusammenarbeit mit Dachverbänden, Unternehmen und Schulen. Besonderes Augenmerk fänden dabei die politische Bildung für Jugendliche, die Projekte Jugendperspektive Arbeit, seine „Drei-Tage-Zeit für Helden-Aktion“ sowie die geplante „72-Stunden-Aktion“, für die die Anmeldezeit bereits angelaufen sei.

Für die Integration sprach Max Niedermeier über seine Anfänge als Integrationsbeauftragter des Landkreises Miesbach und wie wichtig dieser Posten ab dem Jahr 2013 doch wurde, als er sich um über 1200 Flüchtlinge kümmern mußte. Es wurden Netzwerke gebildet, ehrenamtliche Helfer gesucht und ein Helferkreis gegründet. Derzeit befinden sich noch etwa 700 Flüchtlinge im Landkreis Miesbach, die gut in Schulen und Betrieben integriert wären. „Bei uns im Landkreis funktioniert es gut!“ betonte Niedermeier. „Jedoch mögen einige Einheimische die Flüchtlinge nicht, was sehr schade ist. Ich hoffe jedoch, dass sich dies irgendwann einmal ändern wird“, ergänzte der Integrationsbeauftragte.

Das umfassende Sach- und Fachgebiet der Landwirtschaft hatte die Kreisbäuerin Marlene Hupfauer inne. Sie referierte u.a. zum Thema Volksbegehren und wie die Bevölkerung die Landwirtschaft, insbesondere die Landwirte sehen. „Wir werden als Umweltverschmutzer beschimpft; wegen Glyphosat- und Antibiotikagebrauch, Überdüngung und Massentierhaltung angefeindet und wir würden Zuschüsse bekommen und die großen Traktoren fahren! Was ist mit unserer Gesellschaft passiert?“ fragte die Kreisbäuerin. „Die Menschen machen einen Fehler“, stellte sie fest: „Sie pauschalieren! Denn wenn ein Mensch schlecht ist, ist doch nicht die ganze Bevölkerung schlecht!“ Schließlich stelle die Landwirtschaft doch hochwertige Lebensmittel her und die Landwirte betrieben selbstverständlichen Umweltschutz: „Denn wenn eine Millionenstadt wie München, zu 90 Prozent ihr Trinkwasser aus dem Landkreis Miesbach bezieht, das europaweit die besten Werte hat, muss man eigentlich verstehen, was die Landwirtschaft -im Landkreis Miesbach- zum Umweltschutz beiträgt. Landwirtschaft ist kein Hobby, sondern ein Wirtschaftsbetrieb, der seine Buchführung abliefert und seine Wirtschaftlichkeit nachweisen muss! Wir leben mit den Generationen und für die Generationen“, wetterte Marlene Hupfauer und ergänzte: „Kein Landwirt zerstört mit Giften seinen Grund und Boden, seine Lebensgrundlage, wenn er es der nächsten Generation weitergeben möchte. Und beim Antibiotikagebrauch ist es wie beim Menschen, es wird nur nach Bedarf verwendet und es kommt dann weder Milch noch Fleisch in den Handel!“ Leider reichte für die Ausführungen der sympatischen Kreisbäuerin die fünfminütige Sprechzeit „bei weitem nicht aus“, aber sie eroberte mit ihrem Referat die Herzen des Publikums im Sturm. Sogar der gestrenge „Zeitmanager“ Stefan Scheider liess sich erweichen und schenkte ihr einige Minuten Redezeit.

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War auch von Moderator Stefan Scheider „nicht zu bremsen“: Kreisbäurin Marlene Hupfauer

 

Als Referent des Sports erklärte Alfons Bogner – von der Sektion Otterfing des Deutschen Alpenvereins – die Belange der Natur. Der Alpenverein sei auch ein Naturschutzverband und sieht sich als „Anwalt der Berge“. Bogner sprach über Projekte und Aktionen – wie die Aktion Schutzwald und die DAV-Akademie für Tourenbergführer sowie über die Interessen der Sportler. Erstaunt zeigte sich Bogner auch über das neue Phänomen des „Flugschämens“, bei dem sich die Menschen schämen, wenn sie mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen, jedoch nicht daheim bleiben wollen und dann mit dem Auto in die Berge fahren würden. Seine Vision sei eine umweltfreundliche Anreise der Berg- und Sportfreunde. Er wußte jedoch selber, dass sich dies als schwierigstes Projekt herausstellen wird.

Zum Thema Wirtschaft philosophierte Tilo Wondollek aus Wall, der vor Jahren seinen Beruf an den Nagel hängte und nun die Menschen inspirieren will. „Wir sind Unternehmer unseres eigenen Lebens“, so seine Aussage. Er zeigte die beiden Grundbedürfnisse des Menschen auf und ermutigte die Zuhörer, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen, dem Ruf des Herzens zu folgen und das Maximale für sich und die eigene Umgebung zu finden, aber auf die „Verbindung zu sich selber zu achten“.

Helga Böhme-Konrad stellte dem Publikum zum Thema Bildung eine Frage: „Was können wir tun, um unsere Welt enkeltauglicher zu machen?“. Sie beschrieb die Erwartungshaltungen der Kinder, wenn sie auf die Welt kommen und beschrieb die Rolle, die den Erwachsenen, besonders den Pädagoginnen in den Kitas und Kindergärten, zukomme, um die Forderungen der Kinder zu erfüllen.

Ein sehr wichtiges Thema in unserer Gesellschaft beleuchtete Nele von Mengershausen: Die Kunst. Sie beschrieb anhand einiger Projekte, wie Kunst Menschen zusammenbringen kann und wie ihr Verein Jugendlichen bei der Verwirklichung ihrer Kunstiddeen hilft.

Die Frage „Was ist Normal?“ stellte Korbinian Wirzberger zum Thema Kirche. Der Kaplan, der auch bei der Freiwilligen Feuerwehrmann aus Miesbach tätig ist, gab seinem Vortrag den Titel „Utopie einer Gesellschaft“ und sprach über die zunehmende Egozentrik und die Konsumorientiertheit der Menschen. „Fang erst an, dich selbst zu lieben. Benutze deinen Verstand, dein Herz und deine Seele“, riet der Kirchenmann.

Sie erschafft, heilt und hilft mit Kultur – Sarah Thompson. Ihre Arbeit, mit Kultur die Menschen zur Inklusion zu bewegen, miteinzubeziehen und zum Mitmachen zu bewegen, zeigte sie anhand eines Liedes, das sie mit dem Publikum sang und spielte. Ihre Mitteilung, das Diskussionen zwar wichtig sind, es aber auch Menschen brauche, die anpacken, wurde vom Publikum positiv angenommen.

Nach den „zumeist“ fünfminütigen Reden, zogen sich die zehn Referenten zurück, um in einer zwölfminütigen Beratungsrunde mit Besuchern der Konferenz neue Ideen und Impulse für Projekte der Zukunft zu entwickeln. Danach stellten die Experten die Wünsche und Anregungen ihrer Gruppe der Allgemeinheit im Saal vor: So möchte die Gruppe von Laura Mandl – Politik – gerne den ÖPNV und die E-Mobilität verbessern und denkt an eine Park- und Ride-System für Fahrräder. 

Auch Simon Orlando (Jugend) kam zum Ergebnis, dass es mehr Angebote von Jugendlichen für Jugendliche sowie eine offene Jugendplattform mit Vernetzungen zu Vereinen und zur VHS geben sollte. Ferner solle die Jugend mehr über die Sozialen Medien aufgeklärt werden.

Bei der Gruppe von Max Niedermeier (Integration) lag das Problem im Senegal, da es keine Möglichkeit auf Seiten der deutschen Helfer gab, den Menschen dort zu helfen.

Der Besucherkreis um Marlene Hupfauer (Landwirtschaft) war sich einig, dass es mehr Mut auf beiden Seiten geben müsse. Zum Thema „zu teure Lebensmittel“ sagte Marlene Hupfauer: „Solange Lebensmittel weggeworfen werden, sind sie zu billig!“

Für Alfons Bogner (Sport) wäre eine App zur Gründung von Fahrgemeinschaften und mehr Züge für die Fahrten in die Berge sinnvoll. Es sollten auch Wege für Mountainbiker angeboten werden sowie bessere Kooperationen mit andern Institutionen geschaffen werden.

Die Ergebnisse der Besuchergruppe bei Tilo Wondollek (Wirtschaft) waren „das Stärken der Mitmenschlichkeit, der Schaffung eines bedingungslosen Grundgehalts mehr Mut machen und sich für Neues öffnen“.

Helga Böhme-Konrad (Bildung) betonte, man solle danach streben, dass das Kind die beste Version von sich sein sollte; dass mehr Geld in die Bildung und in Sozialkonzepte fließen solle und dass das Bildungssystem reformiert werden muss.

Nele von Mengershausen (Kunst) möchte neue Projekte mit der Kunst entwickeln, Künstler an die Schulen bringen und ein Archiv schaffen.

Bei Korbinian Wirzberger (Kirche) wurde die Frage gestellt, wie Gesellschaft funktionieren kann. Er wünsche sich, dass die Jugendlichen zum Fragen animiert werden und dass Jugendlichen Impulse gegeben werden müssten.

Sarah Thompson (Kultur) kam zu dem Ergebis, dass ganzheitliches Leben von kognitivem Lernern kommen soll, welches eine ganzheitliche Vernetzung der Kultur und ein Miteinander – statt ein „Ich und Ich“ – fördern würde.

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Teilnehmer der Konferenz „Anders wachsen“

Als übergreifende Idee wurde jedoch das Zusammenarbeiten, das Bilden von Synergien, aller zehn Referenten mit ihren Bereichen genannt. Und da  ́Ideen geben ́ zum Thema des Abends gehörte, stellte die zweite Bürgermeisterin von Holzkirchen, Elisabeth Dasch, den „Ideen-Award“ der Bürgerinitiative Holzkirchen vor. Der mit projektbezogenen Preisgeldern von insgesamt 5000 Euro dotierte Wettbewerb sucht Ideengeber, ob Einzelpersonen, Initiativen, Vereine oder Verbände, die umsetzbare Projekte zur gesellschaftlichen, sozialen und nachhaltigen Förderung der Bereiche Jugend, Senioren, Inklusion oder Integration vorschlagen können.

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Zum Schluß der vierstündigen „Anders wachsen-Konferenz“ dankte die Organisatorin Monika Ziegler dem „Mann des Abends“, Stefan Scheider, für seine herzliche und engagierte Moderation, die er ehrenamtlich verrichtete! Zu seiner Überraschung beschenkte man ihn mit einem Bild der Künstlerin Sabine Lessing aus Seefeld. Scheider freute sich sehr über das Werk, wollte er es doch selber vor einiger Zeit käuflich erwerben – wenn ihm da nicht jemand dazwischen gekommen wäre…

-ar- Bilder: ar

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