Landfrauen-Kolumne

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Landfrauen-Kolumne
von Ursula Fiechtner
Kreisbäuerin des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen

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– Oktober 2019 –

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Griaß ́d Eich!

Es ist Herbstzeit und natürlich auch Erntezeit – bei Obst und Gemüse. Ich habe keinen allzu großen Garten, aber auch dieser braucht seine Zeit, um bearbeitet zu werden. Die Obsternte war heuer überschaubar. Ein Ertrag von rund 150 Litern gepressten Apfel/Birnensaft ist dennoch ein Gewinn für die Familie; besonders, weil es das eigene Obst ist.

Zu meiner Arbeit in Familie, Haus und Hof gesellen sich die Aufgaben als Kreisbäuerin und Kommunalvertreterin. Dieses Jahr nahmen mein Mann und ich auch noch an einer dreitägigen  Waldbauern-Lehrfahrt teil. Die Fahrt führte uns in die Lausitz zum Braunkohleabbaugebiet. Für diese Errungenschaft wurden einst ganze Dörfer umgesiedelt und Landschaften zerstört. Was das für den Einzelnen bedeutet, können wir Bäuerinnen und Bauern ganz besonders nachempfinden. Knapp 10.000 Arbeitsplätze bietet dieser Braunkohleabbau – um viele Menschen mit Strom und Wärme in Deutschland zu versorgen. Nach der Ausbeute soll das Gebiet rekultiviert und Seen angelegt werden. Für die dann verloren gegangenen Arbeitsplätze sollte bestmöglich auch noch ein Ersatz geschaffen werden.

„Die Lausitz“ ist eine ganz andere Landschaft, wie wir sie bei uns am Alpenrand kennen. Etliche zehntausende Hektar, braune, dunkle Flächen, dahinter riesige rauchende Industriebauten und das nur einen halben Tag Busfahrt entfernt. Da fühlt man sich doch gleich wie im Paradies, wenn man zuhause – im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen – die Balkonblumen gießt.

Unser Weiler liegt auf einer Anhöhe, der herrliche Ausblick reicht vom Wendelstein bis zur Zugspitze und zeigt grüne Hügel mit den verstreuten Weilern in unserer Nähe. Der Isarradweg führt am Hof vorbei und so manche ab und zu Beobachtungen von den Vorbeifahrenden, welche mich oft zum Schmunzeln und Nachdenken bringen.

Da gibts den „Gehetzen“, mit Helmkamera, Kopf nach unten und immer nur ganz flott unterwegs. Wahrscheinlich entdeckt er erst zuhause – beim Begutachten der Helmkamera-Aufnahme – die ganze Schönheit der Landschaft. In ein paar Jahren, wird er sich bestimmt beim „therapeutischen Waldbaden“ anmelden, damit er endlich lernt, Momente zu genießen! Es gibt aber auch entspannte Radfahrer, die mir zurufen „Schön ist es hier!“. Desweiteren wird man beim Blumengiessen auf dem Balkon oft Zeuge von netten Familiengesprächen, aber auch echten Ehestreitigkeiten. Kurios ist immer ein Radler, der diese Strecke öfters zum „Dampfablassen“, also laut Fluchen und Schimpfen, befährt. Wanderer hingegen nehmen sich manchmal Zeit für eine kurze Unterhaltung und lassen sich gerne was erklären. Ganz freundliche bedanken sich dann auch noch für die Zeit, die man ihnen geschenkt hat.

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… bis näxt ́s Moi
Eure Ursula Fiechtner

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– September 2019 –

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Griaß ́d Eich!

Der heurige Sommer war ja bis jetzt nicht zum Jammern! Schönes beständiges Wetter für die Ernte – von Silo, Heu und Grummet – hat höchste Priorität im bäuerlichen Denken und Handeln. Erst danach kommt alles andere. Der Wetterbericht hat größtenteils seine Versprechungen gehalten. Ein paar leichte kurze Schauer sind zu verkraften, wenn danach die Sonne wieder zum Vorschein kommt.

Als Bäuerin ist man nicht nur die mitarbeitende Ehefrau, sondern auch manchmal der „Blitzableiter“, wenn doch vom Wetterdienst schöne Tage versprochen worden sind, aber Petrus sich nicht daran gehalten hat und die Nerven der Bauern etwas „dünn“ werden ließ! „Vielleicht bekommen wir mal dafür von ihm einen Sonderbonus, wenn wir an der Himmelspforte stehen!“

Jedenfalls sind die Tage, bei denen gemäht, gewendet und geerntet wird, voll ausgefüllt. Gutes Futter ist ein wichtiger Anteil für den wirtschaftlichen Betriebserfolg. Und es wird jeder gebraucht; auf dem Feld, im Stall und im Haus. Wir hatten keinen Opa – der ist leider, bevor ich meinen Mann kennengelernt habe, schon verstorben. Meine Schwiegermutter half so gut es ihr möglich war, im Haus und Stall und bei der Ernte. Man wartet dann schon mal auf den ältesten Sohn, der hier und da etwas an Aufgaben übernehmen kann.

Die Grummeternte war im vollen Gang, und zwar in der Zeit vor dem Schuljahresende. Ausgefüllte Tage waren angesagt und forderten uns im Stall, auf dem Feld, im Garten und die zweijährige Tochter, die Geranien auf dem Balkon und die Hausarbeit waren auch noch da! Ja und da passierte es: Wir vergaßen doch glatt, dass der Sohn sein Zeugnis erhalten hatte! Erst zum neuen Schulanfang – im September – dachte ich daran und fragte ihn schließlich danach. Mein Sohn war schon etwas „verschnupft“, weil uns der Fehler unterlaufen war; denn schließlich hatte er ein ganzes Schuljahr dafür fleissig gelernt.

„Zeugnis erhalten“ war für uns damals als Eltern einfach nicht das Allerwichtigste. Wichtig war für uns, dass man auf seine Mithilfe zählen konnte, manchmal mit mehr oder weniger Begeisterung. „Ich habe dabei keinen Schaden erlitten, dafür aber wertvolle Lebenskompetenzen gewonnen“, meint mein nun erwachsener Sohn.

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Manches schwächliche Kalb ist besonders schnell gediehen, weil es die Fürsorge unserer heranwachsenden Kinder erleben durfte. Ich kann mich auch noch an ein Gespräch mit einer Mutter erinnern, die einmal meinte: “Ich kann doch meine zehnjährige Tochter nicht die Spülmaschine ausräumen lassen – die soll lieber lernen, um gute Schulnoten zu erhalten .“ „Unterschätz diese Arbeit mit der Spülmaschine nicht – da kommen die besten Ideen. Das Gehirn braucht auch mal Zeit etwas zu verfestigen und nicht immer vieles draufzupacken. Außerdem sollen Kinder auch Aufgaben und Pflichten lernen“, war meine Meinung dazu..

Bei der Rückschau auf die eigene Kinder- und Jugendzeit, war manches schwierig zu lernen und später im praktischen Leben, ist der Knopf fast „aufgesprungen“. Nur wer ein photografisches Gedächtnis hat, ist im Vorteil, und erhält natürlich auch leichter gute Noten. Im späteren Leben ist man deswegen aber nicht vor Fehlern geschützt. Einige meiner Klassenkameraden fiel das Lernen oft nicht leicht und mussten auch mal schlechte Noten wegstecken. Der richtige Beruf, Interesse und Fleiß, hat sie aber doch zu erfolgreichen Unternehmern gemacht.

Ich verweise auch gerne auf ein Projekt in einer Grundschule, welches wir Landfrauen vor gut fünf Jahren mit der Schulrätin angestoßen haben. Eine engagierte Hauswirtsschaftslehrerin vernetzte sich mit Deutsch- und Mathelehrerinnen, um den theoretischen Unterrichtssteil ins Praktische umzusetzen. Schüler und Schülerinnen bekamen unter anderem beim Kochen und Backen sowie im Schulgarten praktische Aufgaben zugewiesen. Für die lernschwachen und schüchternen Kinder war dieses Projekt ein voller Erfolg. Sie hatten letztendlich Selbstvertrauen gewonnen und auch bessere Noten am Jahresende im Zeugnis stehen.

Jedes Kind gewinnt bei solch einem Unterricht. Man sitzt, ißt und redet zusammen, lernt sich von anderen Seiten kennen und lernt danach miteinander aufzuräumen. Ein schüchternes Mädchen lernte dadurch eigene Talente zu erkennen. Die Rektorin dieser Grundschule hat dieses Projekt aus Überzeugung bis jetzt weitergeführt und meint: „Alltagskompetenzen als Schulfach, ist ein Gewinn für die nachwachsende Generation!“

Was nützt es eigentlich, komplizierte Rechnungen zu lösen und dabei sich nur mit vorgefertigen Nahrungsmitteln zu ernähren? Dem Gehirn fehlen dabei wichtige Botenstoffe, welche unter anderem aus frischem Gemüse, Obst sowie Getreide, aber auch Fleisch – in einem gesunden Mass –  gewonnen werden können.

Kinder und Jugendliche sind heutzutage zwar „weltweit“ – mit den „Smartphone-Kastln“ vernetzt und haben alle angeblich „tausende Freunde“ – das praktische Leben muss aber auch gelernt werden und findet nicht „digital“ statt! Sind sie da gefestigt, können sie jederzeit, mit Interesse und eigenem Willen, vieles leicht nachholen. Darum sollte man auch nicht nur auf gute Noten pochen, sondern sein Kind besonders stärken, auch Fehler einzugestehen, um daraus zu lernen.

Auch ich habe aus den Fehlern der Zeit gelernt und die Zeit des Zeugnisserhalts – unseres Sohnes – in den nächsten Jahren nicht mehr vergessen!

 

… bis näxt ́s Moi
Eure Ursula Fiechtner

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– August 2019 –

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Griaß ́d Eich!

Manchmal meint man bei diesem oder jenen „Das kann ich mir nie merken“. Aber je aussergewöhnlicher oder witziger die Erklärung dann ist, desto besser speichert man es gedanklich ab. Gedanken mit Bildern verbinden – Assoziation gennannt – ist eine gute Hilfe!

Mein Sohn hat das Garteln für sich entdeckt. Sein Name „Georg“ ist Programm – sage ich ihm immer – „Georg, der Bauer“ – und natürlich kommen immer mehr die Gene seines Vaters durch, je älter er wird. Ich habe ihm eine Kletterzucchini geschenkt, für die ich keinen Platz mehr hatte. Diese Pflanze hat jetzt 1,50 Meter lange Triebe – aber noch keine Anzeichen für eine Ernte von Zucchini!

Georg schickte mir ein Whatsapp-Bild: Viele lange Stengel mit je einer Blüte vorn dran – mit der Frage: „Sind das jetzt männliche oder weibliche Blüten?“

„Das ist ganz leicht zu merken“, funkte ich zurück. „Die ist männlich, weil die weibliche Blüte am Stiel kurz ist, etwas verdickt mit der Blüte dran – merk dir: Das ist das Geschlecht mit Gebärmutter – also weiblich! Die Blüte muss befruchtet werden, dann wächst die Zucchini. Das Geschlecht mit dem langen Stiel mit Blüte dran muss ich dir jetzt nicht extra erklären, oder?“  Er verzichtete lächelnd darauf.

Dann kam die nächste Whatsapp: „Dann hat meine Zucchini nur männliche Blüten – somit auch keine Ernteaussichten. Was kann ich dagegen tun?“

„Wasser und mit Nährstioffen düngen, dann bekommt sie weibliche Blüten – wie im wirklichen Leben – Anerkennung, Lob, Zugeständnisse – was Frauen auch brauchen! …und wenns dann befruchtet sind, kannst du später auch ernten.

Da sieht man es wieder: Nur Wachstum – und ohne Frauen – hat es keinen Wert! Dann bedeutet die Pflanze nichts – auch wenn sie noch so groß wird: Man verhungert sogar vor einer großen Pflanze!“, gab ich zurück.

Seine Antwort darauf: „So viel Feminismus im Umgang mit einer Kletterzucchini, das muss man erst mal hinkriegen, Respekt!“

… aber wetten, auch Ihr werdet jetzt den Unterschied erkennen!

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… bis näxt ́s Moi
Eure Ursula Fiechtner

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– Juli 2019 –

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Griaß ́d Eich!

Kürzlich besuchte ich – nicht zum ersten Mal – ein Seminar zum Thema „Soziale Landwirtschaft“. Es ist für mich Zukunft, dass unsere Höfe u.a. nicht nur unser tägliches Essen und Brennholz für Kachelöfen erzeugen oder Urlaub für Städter anbieten, sondern auch soziale, pädagogische oder therapeutische Konzepte aufbauen; aber nicht nur für Kinder, sondern auch für die letzten Lebensjahre.

„Senioren auf dem Bauernhof“, da ist ein Umdenken im eigenen Berufsstand und bei der Gesellschaft Voraussetzung. Die wenigsten Barrieren gibt es wahrscheinlich bei denen, die es am ehesten wahrnehmen – den Senioren.

Beim Seminar waren drei Refernenten – landwirtschaftliche Betriebsleiter – die auf diesem Gebiet Pionierarbeit leisten. Drei Höfe – drei verschiedene Möglichkeiten und jeder hat sein Konzept – in Partnerschaft mit Pflegediensten und Trägern gefunden. Klar ist, dass es räumlich schon abgegrenzt sein muss, um die Sicherheit im bäuerlichen Arbeitsbereich nicht zu gefährden. Aber was wichtig ist: Es ist „Action“ auf dem Hof!

So erzählte ein Referent aus dem Allgäu: „Das „Highlight“ des Jahres ist es, wenn der Häcksler für die Hackschnitzelproduktion kommt. Keiner beschwert sich über den Lärm, sondern da ist man(n) – wenn auch nur zum Zuschauen – „dabei“ – es rührt sich was! Selbst wenn Gülle gefahren wird – keinen stört’s! Vielleicht werden die Fässer gezählt und es gibt wieder Gesprächsstoff unter den Senioren.

Eine demente Seniorin, beauftragt man beispielsweise mit dem Hüten von Küken, und zwar in einem eingezäunten Bereich, dies aber nur wegen der Küken – und sie sieht dabei sehr glücklich aus, weil sie früher auch gerne mit Tieren gearbeitet hat. Selbst für das Pflegepersonal bringen solche Konzepte eine größere Arbeitsfreude, weil sie keine „Fließbandpflege“ leisten müssen und kleinere Gruppen betreuen.

Ich erinnere mich, dass wir in meiner Jugendzeit eine ältere Nachbarin hatten. Ihr Schlafzimmerfenster gewährte den Einblick in unseren gesamten Hofraum. Sie saß oder stand oft stundenlang am Fenster und beobachtete uns beim Arbeiten. In ihren jungen Jahren arbeitete sie im Forst. Ihr Mann fiel im Krieg und als Witwe sorgte sie für die Familie. Sie hatte ein arbeitsreiches Leben und war dann im Alter körperlich geschwächt. Wir waren es gewohnt, von ihr beobachtet zu werden. Sie war keine Person, die eine böse Zunge hatte; so konnten wir das leicht ertragen. Sie erklärte meiner Mutter öfters, dass es für sie einfach die einzige Abwechslung ist, uns zuschauen zu dürfen.

Wenn ich so nachdenke, wieviele Omas und Opas das „Enkel-Nichtstun“ nicht ertragen konnten und ihre Enkel zum Arbeiten anhielten und kommandierten. Das „Wenn ich schon nicht mehr kann, möchte ich wenigstens zuschauen“, akzeptierten sie nur in Ausnahmen. Als junger Mensch hatte man dann auch so seine Tricks und verschwand aus dem Sichtbereich einer allzu strengen Oma. Die mittlere Generation, meist unsere Mütter, mussten dann halt die Schimpferei über verfehlte Erziehung erdulden, wenn die Enkel nicht da waren!

Mit meiner Oma hatte ich Glück, die war nicht so schlimm! Aber im Freundes- und Bekanntenkreis kam das Syndrom öfters vor. Klar, auf einem Bauernhof waren mehrere Generationen in einem Haushalt, was aber auch viele Konflikte auslöste. Erst die letzten Jahrzehnte schuf man sich abgegrenzte Bereiche. Und dann erinnere ich mich noch an einen ehemaligen guten Bekannten, der in einer Einrichtung für Menschen mit psychischen Störungen als Sozialpädagoge arbeitete. Er kam gerne mit einer kleinen Gruppe Heimbewohner, um ein paar Stunden auf unseren Hof zu verbringen. Ein kleiner Teil der Besucher konnte sich oft am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern.

Damals fragte ich ihn: “Was bringt das?“ Er antwortete: „Du kannst dir nicht vorstellen, wie glücklich die Menschen während des Besuchs und wie entspannt sie noch Stunden danach sind!“ Er erzählte auch von einer Heimbewohnerin, die auf einem Gutshof mit Tieren arbeitete und nun im Heim untergebracht ist. Ihr größtes Glück war der Ausflug zum Bauernhof, um dort Kühen und Kälbern über den Kopf zu streicheln! Ein Strahlen übers ganze Gesicht – das ist auch das größte Geschenk für das Pflegepersonal.

Ja und – was geht mich das als Kreisbäuerin, als Vertreterin des ländlichen Raumes an?

Im Kreistag bin ich im Sozialausschuß, da hört man u.a. Fakten, dass die geburtenstarken Jahrgänge nun in das Rentenalter kommen; dass die städtischen Heime nicht alle unterbringen können; dass Mehrbedarf da ist, weil unsere Nachkommen nur noch die Hälfte sind; aber auch, dass viele beruflich nicht aussteigen können und sich entsprechend auch die Pflege ihrer älteren Familienagehörigen nicht gut leisten können – und noch viele weitere Gründe mehr.

Was kann ich tun? Was können wir tun?
Ich sehe Chancen – und zwar bei leerstehenden Gebäuden und Stallungen, weil ausgesiedelt wurde oder betriebliche Veränderungen durch nachfolgende Generationen stattfanden. Ich sehe Chancen – bei Angehörigen, die durch naheliegende Betreuungseinrichtungen und durch ortsnahes Personal entlastet werden – und ich sehe Chancen – bei glücklich betreuten Senioren.

Es bedarf zu allererst dem Umdenken und einer Vernetzung aller Beteiligten, wobei man aber auch den ganzen Vorschriften und Gesetzen gerecht werden muss!

Frei nach dem Motto „Fürchte dich nicht vor Veränderungen, sondern eher vor dem Stillstand!“, sollten wir alle, zusammen mit Verantwortlichen im Sozialbereich, dieses baldmöglichst umzusetzen. „Lebensfreude statt leerstehende Gebäude“ ist eine Zukunftsvision und bedarf mutiger Fürsprecher, damit es baldmöglichst umgesetzt werden kann.

Ich bleibe dran und hab auch schon einige Mitstreiter!

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… bis näxt ́s Moi
Eure Ursula Fiechtner

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– Juni 2019 –

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Griaß ́d Eich!

… und schon ist sie wieder da, die Geranien-Zeit – für Balkon und ums Haus herum. Auch wenn zur Zeit alles Insektenfreundlich gepflanzt wird – ich bleib bei Geranien! Um unseren Hof ist genügend für Bienen und Co. da – seit vielen Jahrzenten schon.

So, und jetzt geht’s mit dem Einpflanzen los: Siebzehn Kästen, viele Töpfe, die Erde, die gekauften und überwinterten Geranien habe ich mir bereit gestellt. Bei dieser Arbeit kann „Frau“ über vieles wunderbar nachdenken! Wie würde das Oberland ausschauen, ohne Blumen, Pflanzen und Hofeingrünung?

Es werden immer mehr Bauernhöfe, die keine Nachkommen mehr haben und es die Seniorbäuerin gesundheitlich nicht mehr schafft, sich um Blumen und Garten zu kümmern. Hoferben, die Junggesellen bleiben und sich, verständlicher Weise, nicht auch noch um den Blumenschmuck kümmern können. Die Dörfer und Weiler werden sich verändern, und zwar schleichend.

Balkonblumen, Gartenblumen und Gemüse brauchen Zeit, Geduld und Erfahrung, erfordern zeitaufwendige Gieß- und Pflegearbeiten von der Besitzerin und erlauben keine Abwesenheit. Es erfreut das Herz und die Seele, es macht stolz, wenn alles in Blüte steht! Es fördert Gespräche über Pflanzen im Garten; „Frau“ tauscht Tipps aus und jammert gemeinsam mit anderen über die Schnecken.

Mit unserer Liebe und Pflichterfüllung zur Haus- und Hofgestaltung tragen wir enorm zum Wirtschaftsfaktor „Tourismus“ und zur „ländlichen Raum-Entwicklung“ bei – und das nicht unerheblich! Bei mancher Landfrau wäre ihr „leidenschaftliches“ Arbeitspensum schon wie ein Minijob – mit Rentenansprüchen als „Gestaltungskraft im ländlichen Raum“ – gewesen oder ist es immer noch, je nach Vitalität und Gesundheit!

So zeigt eine Studie, dass gut um die 300 Millionen Euro beim Wirtschaftsfaktor „Tourismus“ im Landkreis Bad Tölz erreicht werden. So könnte ich mich eigentlich als Mitarbeiterin einer Firma betrachten, oder? Nur halt ohne Entgelt und Rentenansprüche…

„Ich machs ja für mich“, sagen sehr viele Frauen. Ja schon, aber unsere Region zieht deswegen viele Menschen als „Naherholer“ und „Touristen“ an! Würden sich alle, wie in der Stadt oder moderneren Wohnvierteln, hinter riesigen Hecken verstecken, wär unsere Heimat nicht mehr so reizvoll – dann könnte ich das „Ich machs ja für mich“ eher gelten lassen!

Ich denke, dass Höfe, die eine Einkommenalternative finden und der Bäuerin damit einen Arbeitsplatz und auch Einkommen schafft, eher „geblümt“ bleiben. Eine liebevolle Hofgestaltung ist quasi das Aushängeschild dafür.

Bauer und Bäuerin entscheiden über ihre Zukunft – und Veränderungen lassen sich halt nicht aufhalten. Alte Fotos aus verschiedenen Jahrzehnten bringen oft erst wieder die Unterschiede ins Bewußtsein. Es wäre jetzt schon interessant, schriebe man das Jahr 2035 …. und dann sollte man sich Fotos aus den Jahren 2000 bis 2019 anschauen.

Junge Bäuerinnen kehren vermehrt schneller ins Berufsleben zurück. Selbst die Älteren stehen noch im Arbeitsprozess oder halten den jungen Frauen den Rücken frei. Immer mehr Bäuerinnen tragen so zur Einkommensicherung bei. Der Tag hat immer noch nur 24 Stunden und Kinder, Haushalt und Betrieb, alles erfordert seine Zeit, erst recht die dazugehörige Bürokratie.

„Frau“ setzt sich „Prioritäten“, macht Abstriche – und auch zu recht! Schau ma moi, ob ein Schwund bei den „Geranien-Laufmetern“ auf Balkonen innerhalb der nächsten 10-15 Jahre festzustellen ist. Ich glaube schon!

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… bis näxt ́s Moi
Eure Ursula Fiechtner

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– Mai 2019 –

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Griaß ́d Eich!

Die Wahlkarten zur Europawahl sind eingetroffen. Europawahl – „ach Europa ist so weit weg“ – wirklich?
Ich bin eine von vielen Europäerinnen. In meinen Weiler sind schon mal ca. 30 Personen und in unserem Landkreis über 120.000 Bürgerinnen und Bürger. Das sind schon mal nicht wenige – wenn alle Wahlberechtigten zum Wählen gehen.

Das höchste Gut ist der Frieden und Freiheit, Sicherheit, Wohlstand, sind die weiteren Pfeiler. Ist es vielen im Alltag noch bewußt?
Bei einem Gespräch mit einer Bekannten über die Europawahl, äußerte sie: „Zuerst diskutieren die Politiker, streiten mit anderen Parteien und danach sitzen sie wieder beisammen und trinken ein Bierchen!“

Ja, das ist doch gerade das Wertvollste! Im Gemeinderat, Kreistag, Landtag, Bundestag, Europarat sind nicht alle einer Meinung, dennoch spricht man nach der Sitzung miteinander; und wenn nicht, dann läßt man eine Zeit zum „Ausrauchen“ vergehen!

Ich selber schätze Kollegeninnen und Kollegen aus anderen Fraktionen genauso. Die täglichen Nachrichten, aus anderen Ländern liefern doch die schrecklichsten Bilder, wenn die Mächtigsten um ihre Positionen kämpfen.

Was bringts? Zumeist Leid und Trauer in der Bevölkerung! Das sind nur Worte, es zu erleben, wünscht man sich nicht – unseren Großeltern war es bewußt.

Bei einem Kreisbäuerinnenbesuch im Europaparlament in Straßburg führte uns ein bayerischer Europaabgeordneter an geschichtliche wichtige Plätze. Ein Denkmal berührte mich gerade als Mutter zutiefst. Eine Mutter hält zwei erwachsene Söhne in ihren Händen, die im Sterben liegen. Sie halten sich dabei an ihren Händen. Die Mutter, soll das Gebiet Elsaß/Straßburg darstellen, um das Deutschland und Frankreich gekämpft haben. Da das Regime in kurzer Zeit wechselte, diente ein Bruder für Frankreich, der andere für Deutschland. Sie haben sich sinnlos bekriegt, beim Sterben waren sie wieder vereint. Das Leid trägt die Mutter.
Für mich bleibt dieses Denkmal unvergesslich!

Unsere „Kriegszeitzeugen“ in den Familien werden von Jahr zu Jahr weniger, die persönliche Begebenheiten schildern und davor warnen können.

„Demokratie“ ist keine Selbstverständlichkeit, sie erfordert viel Einsatz, Zeit und Menschen, die sich dafür einsetzen und mitwirken. Die grundsätzliche Mitwirkung dafür ist, „Wählen zu gehen“ und Vertreter einer demokratischen Partei nach Europa zu senden.

Für den kleinen Familienfrieden sind wir vor Ort verantwortlich, für Europa aber auch – darum „auf in die Wahllokale“!

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… bis näxt ́s Moi
Eure Ursula Fiechtner

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– April 2019 –

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Griaß ́d Eich!

Zur Zeit überschlagen sich die Tätigkeiten und Themen bei mir als Bäuerin, Kreisbäuerin und Kommunalpolitikerin! „Bienen- und Artenschutz“, „Plastikmüll“, „Klimawandel“ und „Wählen ab 16“ UND „der Frühling fängt auch noch an“.

„Frühling“, das ist für mich eine arbeitsintensive Zeit, und zwar schon vor meinem ehrenamtlichen Engagement. Die zahlreichen Seminare, Sitzungen, Gespräche laufen aber auch noch im Frühling weiter. Gott sei Dank, hat man in meinem Alter aber schon eine gewisse Gelassenheit.

Mein Mann ist leidenschaftlicher Bauer, arbeitet gerne und leider oft auch viel zu lange. Mit Unterstützung unserer erwachsenen Kinder, soweit es ihnen beruflich möglich ist, kann man vieles schaffen: Unter anderem wichtige Arbeiten im Haus und Garten sowie auf den Wiesen und Feldern, dazu noch die Mehrarbeit durch die Sturm- und Winterschäden, sind jetzt zu erledigen. Die hereinbrechende Vegetation, beschleunigt unser Tempo bei der Arbeit.

Unsere Wiesen müssen beispielsweise von den umgestürzten Bäumen befreit und gesäubert werden. Viele Zäune, liegen ganz am Boden und müssen neu gemacht werden. Bei anderen Berufskollegen sind auch noch Dächer und Gebäude in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Schneelast von Anfang Januar bringt heuer einiges an Mehrarbeit. Dazu kommt noch der normale Arbeitsablauf im bäuerlichen Alltag: Tiere versorgen, Lebensmittel produzieren und Bürokratie bewältigen, um nur einiges zu nennen. Aber erkennen und schätzen das Personen, die nicht in unserem Lebensumfeld aufgewachsen sind?

Mit der heutzutage „etwas“ veränderten Gesellschaft habe ich da meine berechtigten Zweifel!

Man braucht nun in vielen Bereichen einen „externen Coach“ oder auf gut deutsch einen Trainer, damit man zum Nachdenken angeregt wird. Wer hat uns früher „gecoacht“? Es waren die Eltern, Großeltern, Verwandte, Nachbarn, Lehrer, Vereinsmitglieder – mal streng, mal gütig. Da hat es oft klare Ansagen gegeben! Ein grundsätzlicher „Coach“, war immer das Geld.

Heutzutage braucht man extra einen „Achtsamkeitstrainer“, um Respekt zu lernen.

Ein „Coach-Tipp“ unserer ehemaligen „Trainer“ war: „Was man selber hat, braucht man nicht kaufen!“
Um die Familie beispielsweise mit Obst zu versorgen, wurden  im Garten Äpfelbäume gepflanzt und keine „grünen Nichtsnutzpflanzen“! Und „Bienen-Unterstützung“ war wegen der Bestäubung der Bäume Voraussetzung, damit diese später eine ertragreiche Obsternte möglich machten.

Ein weiterer „Coach-Tipp“ war: „Iss was, bevor du aus dem Haus gehst!“
Heutzutage geht alles nur noch „TO-GO“!  Die „TO-GO“-Verpackungen hatten in den letzten zehn Jahre einen rasanten Aufschwung. Ein „gecoachtes“ Frühstück zu Hause – am Küchentisch – hingegen kommt ganz ohne Zusatzmüll aus!

Der nächste „Coach-Tipp“ war früher: „Schalt ́s Licht aus, wenn du es nicht unbedingt brauchst!“
Damit wurde die unnötige Stromverschwendung „gecoacht“.

„Mama -Taxi“ war früher auch ausgeschlossen, denn meine Mutter hatte noch keinen Führerschein und unser Vater fuhr uns nur zu den wichtigsten Terminen. Da hieß es meistens: Entweder Fahrradfahren oder Zuhause bleiben!

Notwendige Kleidung wurde unter Geschwistern weitergegeben, und zwar mit oder ohne Protest der Kinder.

„Sparsam über die Runden zukommen“, war und ist ein anstrebsames Ziel, mit dem nützlichen Effekt der Müllvermeidung.

Spätestens bei Gründung eines eigenen Haushalts – ob mit oder ohne Partner – gaben einem die einstigen „Coach-Tipps“ Orientierung und Halt. Man konnte sich dann ein Urteil fällen bzw. zugestehen, ob man manches verändern möchte.

Und damit bin ich beim nächsten Thema  „Wählen mit 16“ angelangt.
Da habe ich ein echtes Problem! Denn wenn jemand noch keine Orientierungsentscheidung zum Thema „Beruf“ treffen will oder kann und den Start ins echte Leben erst plant, soll schon ins „Wahllokal“ dürfen? Denn: Nur mit „Reden“ kann man nichts verändern. „Zeigt Taten und Durchhaltevermögen“ – und dafür ist eine gewisse Zeitspanne nötig sowie eine gewisse Verantwortung und Reife!

Ein bekanntes Sprichwort sagt: „Nur weil man an den Grashalmen zieht, wächst das Gras auch nicht schneller!“

Ich hätte noch einige Gedanken, „aber das Unkraut wächst bei mir im Garten“ und darum

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… bis näxt ́s Moi
Eure Ursula Fiechtner

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– März 2019 –

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Griaß ́d Eich!

Das Thema Frauenwahlrecht, ist jetzt in aller Munde. Liest man einen Artikel oder auch mehrere dazu, hakt man es zu oberflächlich ab. Eine Veranstaltung im Bayerischen Landtag, löste bei mir eine Initialzündung aus.

Namhafte Politikerinnen wie Barbara Stamm, Eva Gottstein, Ulrike Müller, Therese Schopper schilderten bei einen Podiumsgespräch ihren konfliktreichen Einstieg und Werdegang – mit Familie im Rücken. Als neue Kommunalpolitikerin, kam mir vieles von deren Schilderungen sehr bekannt vor. Die von Prof. Dr. Daniela Neri-Ultsch sehr interessant gestaltete Wanderausstellung „Frau Abgeordnete – Sie haben das Wort“, war ein weiterer wichtiger Teil der Veranstaltung. Ferner wurden auch drei Bücher mit Biographien, der ersten Frauen im Landtag, ebenfalls über Ministerinnen und über den Einstieg und die Stationen aller weiblichen Landtagsabgeordneten seit dem Jahre 1946, ausführlich besprochen.

Seit Gründung des Landtags 1946 – bis 2016 – waren insgesamt 178 Frauen im Bayerischen Landtag; das entspricht lediglich 13,3 Prozent der Landtagsabgeordneten. Durch das „Sich damit auseinandersetzen“ – bezüglich des Themas – achtet man auch vermehrt auf entsprechende Film- und Fernsehproduktionen. Unter anderem auf Filme, welche die Einführung des Frauenwahlrechts in Frankreich, England und Deutschland aufgriffen. Weitere Produktionen – wie „Die göttliche Ordnung“ – über die Einführung für das Frauenwahlrecht in den 70-Jahren in der Schweiz, mit anschließendem Impulsvortrag und einer Diskussion – der Geretsrieder Altbürgermeisterin- die ebenfalls ihren Einstieg dazu schilderte.

Junge, etwa 25-jährige Besucherinnen im Publikum, äußersten sich danach positiv dazu und meinten: „So haben wir das noch nicht gesehen!“ Ein weiterer Film über die Nobelpreisträgerin Marie Curie, die ganz couragiert ihren Nobelpreis – in der damaligen ‚Männerwelt‘ abholte, aber auch der Film „We want sex“ – der jedoch keine Sexszenen enthält – und von Frauen in den 1968-ziger Jahren spielt und aufzeigt, dass in einer Autopolsterei Frauen – für die gleiche Tätigkeit – nur halb soviel bezahlt bekamen, wie ihre männlichen Kollegen. Früher gab es engagierte Frauen, die mutig die Initiative ergriffen, um Mißstände aufzuzeigen – UND heute…?

Ich weiß, die Berufstätigkeit und Familie nebst Haushalt unter einem Hut zu bringen, ist eine grosse Herausforderung. Aber war es früher anders, ohne Wasch- und Spülmaschine und Männer, die im Haushalt halfen?

Was mich sehr stört, ist wie sich Frauen untereinander verhalten und Äußerungen wie – „Die war zuerst nicht so!“ oder „Die soll lieber ihren Haushalt im Griff haben!“ oder die Krönung des Ganzen „Die will nur vorne stehen!“ – von sich geben!

Das entmutigt manche, die wachsen würden: Denn ein entsprechendes öffentliches Engagement ist eine sehr arbeitsintensive Aufgabe, welche meistens unentgeltlich bzw. nur mit einer kleinen Aufwandsentschädigung vollbracht wird – und welche die Familie -so- mehr oder weniger verständnisvoll mitträgt.

Zusammenstehen, Unterstützung leisten, eine Frau zu fördern – Neues zu beginnen, dazu gehört an erster Stelle der Zuspruch aus der Frauenwelt! Denkt daran: Das erste Mal Mutterwerden, fordert auch „Frau“ zu sein – und man lernt von Kind zu Kind dazu!

Bei der Bemerkung von Maxi Schafroth – beim Nockherberg Starkbieranstich – bezüglich Barbara Stamm, könnte ich ihm nur raten: „Setz dich mit ihrer Biographie auseinander und dann schau dir das mit den Augen einer Frau und Oma an!“ Es wird ihm nur schwer gelingen! Denn manchmal braucht man das Handeln einer „zeitgerechten Oma“ – und dass muss auch ein männlicher Jungspund akzeptieren!

Ihr Frauen – es ist wichtig – uns Frauen den Weg in die Politik selbst zu ebnen!

Es gäbe noch viel zu sagen, aber seid offen für das Thema „Frauen in der Politik und Frauenwahlrecht“, dann fließt es euch selbst zu.

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… bis näxt ́s Moi

Eure Ursula Fiechtner

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– Februar 2019 –

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Griaß ́d Eich, zu meiner Landfrauen-Kolumne!

Ich stelle mich kurz vor: Mein Name ist Ursula Fiechtner, bin Kreisbäuerin aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und darf euch hier von Zeit zu Zeit meine Gedanken mitteilen. Ich bin 56 Jahre jung, davon 36 Jahre glücklich verheiratet. Wir haben einen Sohn (35), zwei Töchter (25 und 19) und seit kurzem zwei Enkelkinder – im Alter von zwei Jahren und einem halben Jahr. Mein Mann und ich führen -nahe Bad Tölz- einen Milchviehbetrieb, mit rund 28 Kühen, mit Nachzucht.

Unsere Familie ist ein gutes Beispiel der Globalisierung: Aus Erzählungen meiner Mutter weiss ich noch, dass ein „Seitenwechsel der Isar“ – bei der Heirat oder wegen dem Arbeitsplatz – in den 1950er Jahren noch als „Eindringen in andere Gebiete“ galt! Andere Ortschaften hielten es ähnlich. Anspielungen, Späße – gutgemeint oder auch derbe – mussten viele „Übersiedler“ hinnehmen. Auch typische Dialektwörter wie Muich oder Milli, wurden oft engstirnig in den Familien auf die Waage gelegt.

Wie tolerant muss man heutzutage sein! … und? … ist das tragisch? … keineswegs!

Unser Ältester hat beispielsweise eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen. Er studierte Informatik und war dazu jahrelang, mit Unterbrechungen, in den USA. Dort lernte es seine jetzige Frau – gebürtig in Sao Paulo, in Brasilien – kennen. Vor zehn Jahren kam sie das erste Mal nach Europa, nach Bayern und zu uns in den Weiler – mit 80 Einwohnern – und in unsere Familie.

Englisch sprechen im Alltag war jetzt angesagt! Oje! Mein Schulenglisch aus dem hintersten Winkel hervorzuholen, das bremst aus! Beim Vokabellernen der schulpflichtigen Töchter schnappt man nebenbei oft wieder englische Wörter und Sätze auf, aber eine Unterhaltung in englischer Sprache zu führen ist eine andere Nummer!

Aber wie muss es meiner Schwiegertochter ergangen sein? Die deutsche Sprache ist schon schwer genug und dann auch noch in einer Familie leben, die „nur Dialekt“ spricht! Sohn und Schwiegertochter verbrachten die Zeit – bis zum Antritt seiner Arbeitsstelle in Stuttgart – bei uns im gemeinsamen Haushalt. Meine Schwiegertochter hielt sich oft bei mir in der Küche auf und bekam so einiges mit.

Eines Tages fragte sie unseren Sohn, welche Freundin von mir ein großes Problem hat, weil diese öfters am Tag anruft. Mein Sohn fragte bei mir nach. Ich verneinte, denn es waren ja immer verschiedene Personen, die anriefen. Aber wie soll denn diese Person heißen? Sag ich da immer einen Namen, fragte ich nach. „Christin“, meinte meine Schwiegertochter. Und da war das Rätsel auch gleich gelöst: Denn ich habe doch jedesmal beim Beginn der Telefonate „Grias di“ gesagt! Und für meine Schwiegertochter hörte es sich nach „Christin(e)“ an!

Mittlerweile kann sie deutsch, bruchstückhaft auch bayrisch. Unser Enkel Benjamin wächst vielsprachig auf – portugiesisch, hochdeutsch und bayrisch. Benji (Benschi) bringt auch die Synapsen von Opa in Schwung – Opa lernt auf leichte Weise: Suco heisst Saft, Chupeta ist der Schnuller. Fit im Geist und Völkerverständigung – mehr als nur „über die Isar“ – durch Generationen-Dialog. Was will man mehr? Und „Pfiad di“ sagt Benji a scho – im bestem bayrisch!

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… und i jetzt zu Eich a, bis näxt ́s Moi

Euere Ursula Fiechtner

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