Traditionelles Treffen der bayerischen Gebirgsschützen – Reminiszenz an die Sendlinger Mordweihnacht

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Traditionelles Treffen

der bayerischen Gebirgsschützen in Waakirchen 2019:

Reminiszenz an die Sendlinger Mordweihnacht anno 1705

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Region Miesbach – Am Weihnachtstag anno 1705 zogen rund 2100 Oberländer – Bauern, Handwerker, Bürger – und 500 Gebirgsschützen Richtung München, um Oberbayern von der österreichischen Besatzungsmacht zu befreien, die, aufgrund der Grauen im Spanischen Erbfolgekrieg, das ganze Land in große Not gestürzt hatte. Plünderungen, Brandschatzung, Vergewaltigungen, Hunger und Unterdrückung waren die Folgen; da selbst Kaiser Josef I. und sein Wiener Hof die fernen Truppen nicht in Zaum halten konnten. Das geschundene bayerische Volk setzte sich deswegen zur Wehr und mutige, meist junge Männer, die überwiegend nur mit Mistgabeln, Sensen und Spiessen bewaffnet waren, zogen am 24. Dezember unter dem Schlachtruf „Lieber bairisch sterben als kaiserlich verderben“ los, um gegen gut bewaffnete und ausgebildete kaiserliche Soldaten für ihr Vaterland zu kämpfen – insgesamt standen rund 16.000 Männer aus Niederbayern und 2600 schlecht bewaffnete Oberländler einem rund 4.000 Mann starken, bestens ausgebildeten und bewaffneten kaiserlichen Heer gegenüber. Leider konnten die ober- und niederbayerischen Aufständischen ihre Kräfte nicht bündeln und so geschah es, dass es in Sendling, vor den Toren Münchens, zu einer ersten verheerenden Schlacht kam, in der die Kämpfer für Freiheit und Frieden gnadenlos von der österreichischen Militärmacht abgemetzelt wurden.

Rund 3000 Kämpfer der aufständischen Bayern und gerade mal 40 österreiche Soldaten wurden getötet. Fast niemand auf bayerischer Seite konnte fliehen. Die gut 500 verwundeteten Gefangenen wurden nach München gebracht, wo ihnen jedwede medizinische Hilfe verweigert wurde, um so den revolutionären Gedanken zu ersticken. Die Anführer der Oberlandler wurden hingerichtet. Der Aufstand wurde dann am 8. Januar 1706 in Niederbayern in einer zweiten großen Schlacht, in einem ebenso grausamen Massaker, aufgerieben. So brach der Wille zum Aufstand endgültig zusammen. Innerhalb von drei Wochen gab es auf Seiten der Bayern rund 10.000 Tote – Bauern, Knechte, junge Männer.

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Heuer jährte sich das blutige Geschehen der „Sendlinger Mordweihnacht“ zum 314. Male und auch diesmal trafen sich in Waakirchen, traditionsgemäß seit 1905, am Vormittag des 24. Dezembers, Abordnungen der Gebirgsschützenkompanien aus dem ganzen Oberland, um den toten Helden dieser grausamen Nacht zu gedenken. Dazu fanden sich unter anderen Ilse Aigner, Präsidentin des bayerischen Landtags; Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident und bayerischer Wirtschaftsminister; Alexander Radwan, Mitglied des Deutschen Bundestags; Dr. Florian Herrmann, Leiter der bayerischen Staatskanzlei und Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Medien; Josef Mederer, Bezirkstagspräsident des Bezirks Oberbayern; Maria Els, Regierungspräsidentin der Regierung von Oberbayern sowie zahlreiche Landräte, Bürgermeister, Gemeinderats- und Bezirkstagsmitglieder ein, um diesem Festakt beizuwohnen.

Rund 600 Gebirgsschützen marschierten mit ihren historischen Waffen, mit ihren Marketenderinnen und den Fahnenträgern durch das Spalier der Waakirchner Schützen in die katholische Pfarrkirche St. Martin zur Festmesse ein, die von Prälat Josef Obermaier und dem evangelischen Pfarrer Martin Voss sowie von Waakirchens Pfarrer Stephan Fischbacher zelebriert wurde. Für die musikalische Umrahnumg der Andacht sorgten die Waakirchner Sänger. Nach der Messe wurden Prälat Obermaier, Pfarrer Fischbacher und Pfarrer Voss in die Gebirgsschützenkompanie als Schützenkameraden und Kompaniegeistlichkeiten aufgenommen.

Nach dem Kirchgang zog der große Tross mit Ehrengästen, Gebirgsschützen und Musikanten zum Löwendenkmal mitten in Waakirchen, um dort nochmals den mutigen Gefallenen zu gedenken. Wiederum wurde der kirchliche Segen von der Geistlichkeit gespendet. Waakirchens Bürgermeister Josef Hartl erinnerte an den grausamen Krieg und die blutige Schlacht und spannte einen Bogen in die heutige Zeit: „Vor so viel Mut und selbstlosem Einsatz können wir uns in der heutigen Zeit, nach über 300 Jahren, nur noch ganz tief verneigen! Das sollte uns zum Denken anregen. Heutzutage wird nur gefordert. Jeder legt nur noch die Hände in den Schoß, stichelt andere an, um sie ins schlechte Licht zu rücken. Neid, Mißgunst und Egoismus regieren heutzutage die Welt und man gönnt den Anderen weder Erfolg oder gar „das Schwarze unter dem Fingernagl“. Und warum? Weil man selber nicht mehr den Mumm und die Schneid hat, auch mal Sachen zu tun, die nicht so angenehm sind. Aber jeder ist seines Glückes Schmied! Man sollte zum Beispel offen und ehrlich sagen, was man denkt. Aber „im Internet“ versteckt man sich lieber hinter anonymen Namen wie „Sternchen“ oder „Ich“ und greift Menschen an, ohne die richtigen Grundlagen zu wissen, nur um sie zu denunzieren, anstatt mal selber was für die Gemeinschaft zu machen. Auch die Zeitungen berichten manchmal ohne Zusammenhang und nur gewisse Nachrichten, um die Sensationslust zu steigern, denn wer hat schon Interesse an positiven Dingen? Aber das haben wie vor 80 Jahren schon mal gehabt! Und denen, die diese Kommentare abgeben, ohne ihre Namen dazuzuschreiben – denen fehlt allen der Schneid!“, betonte Hartl.

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Er lobte den Einsatz der Gebirgsschützen und der Marketenderinnen, die bei Wind und Wetter ausrücken, um die Helden von damals zu Ehren. Die sich heute jedoch selber standhaft und selbstlos für die Werte wie Brauchtum, Tradition und Heimatliebe einsetzen und auch danach Leben würden. Er appelierte ferner an alle Neubürger, die ihr Leben im Oberland verbringen möchten, sich an die einheimischen Bräuche, Traditionen und Werte anzupassen, damit das Zusammenleben einfacher gestaltet werde! Dann verabschiedete sich Bürgermeister Josef Hartl von allen, da seine Amtszeit Ende April 2020 zu Ende geht und dies seine letzte Ansprache zu Ehren der Sendlinger Mordweihnacht war. Er dankte für die gute Zusammenarbeit zwischen der „Gemeinde Waakirchen“ und der „bayerischen Regierung“ und gab das Wort an Dr. Florian Herrmann. Dieser betonte die Wichtigkeit und Vielfältigkeit der bayerischen Tradition und hob die Notwendigkeit des Gedenkens an die Sendlinger Mordweihnacht hervor, da sich die Menschen damals gegen die Mißstände gewehrt hatten. Der Minister plädierte für die Erhaltung der Traditionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Menschen.

Martin Beilhack, Kommandant der Gebirgsschützen, monierte die oft nicht nachvollziehende Politik in Punkto „Vereine“. Es folgte die Niederlegung des Kranzes durch Bürgermeister Josef Hartl und Dr. Florian Herrmann. Abschließend wurde den Toten der Kriege mit dem Singen der Bayerischen Nationalhymne nochmals alle Ehren erwiesen.

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Bei der Kranzniederlegung am Denkmal v.l.: Dr. Florian Herrmann und Josef Hartl

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-am- Bilder: am

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