Podiumsdiskussion »Quo vadis?« Gesundheitslandkreis Miesbach

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Podiumsdiskussion
»Quo vadis?«
Gesundheitslandkreis
Miesbach

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Region Bayern – Im Rahmen der Frühjahrsveranstaltung der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) des oberbayerischen Landkreises Miesbach, erfolgte kürzlich eine Podiumsdiskussionsveranstaltung zum Thema »Quo vadis?« Gesundheitslandkreis MiesbachHocherfreut über den Besucherandrang begrüßten Norbert Kerkel, 1. Vorstand der FWG und Bürgermeister der Gemeinde Waakirchen sowie Jens Zangenfeind, Bürgermeister der Gemeinde Hausham und Landratskandidat der FWG, die Gäste des Abends. 

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Die Podiumsdiskussion zum Thema, welche Mats Müller als Moderator leitete, beinhaltete u.a. die Themenschwerpunkte »Versorgung«, »ärztliche Zusammenarbeit«, »Pflege- und Rehamaßnahmen« sowie »Finanzierbarkeit«. Die Teilnehmer der Gesprächsrunde waren Dr. med. Florian MeierBRK-Landesarzt und niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin; Benjamin Bartholdt, Vorstand des Krankenhauses Agatharied KU; Birgit Kleber, Personalratsvorsitzende im Krankenhaus Agatharied; Dr. Peter Wellner, Chefarzt der Geriatrie im Krankenhaus Agatharied sowie Ludwig Klitzsch, Geschäftsführer und Eigentümer der Kirinus Alpenparkklinik in Bad Wiessee.

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Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion v.l. : 
Birgit Kleber, Dr. Florian Meier, Dr. Peter Wellner, Moderator Mats Müller, Jens Zangenfeind, Benjamin Bartholdt und Ludwig Klitzsch

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Die Diskussion begann mit einem Rückblick auf die Coronazeit. Dazu erklärte Birgit Kleber, dass das »Beklatschen« der Pflegekräfte damals zwar Schmeichelhaft gewesen sei, am Pflegekräftemangel jedoch nichts änderte. Als Gründe dafür nannte sie unter anderem die veränderten »Freizeit- und Wohnansprüche« der Fachkräfte, die unbeliebten Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeitszeiten sowie auch die vielen Vorgaben und ausbordenden Dokumentationspflichten, welche derzeit knapp 50 Prozent der Arbeitszeit einnähmen, was wiederum Pflegezeit für die Patienten wegnehme. Sie forderte, dass die Politik in erster Linie die Bürokratie abbauen, die Ausbildung praxisnäher und patientenbezogener gestalten und ausländische Mitarbeiter schneller anerkannt werden sollten. Diesbezüglich erläuterte Jens Zangenfeind: »Der Landrat sollte diese Themen an das zustänige Ministerium weiterleiten«. 

Weitere Gesprächspunkte waren die »Finanzen« und die »Auslastung« des Krankenhauses Agatharied, weiterführende Maßnahmen bei Reha oder nach ambulanten Behandlungen und die geriatrische Pflege im Hinblick auf die Kur- und Krankenhausstrukturreformen der einstigen Gesundheitsminister Horst Seehofer und Karl Lauterbach. Dazu erklärte Benjamin Bartholdt, dass er nun, nach vier Jahren harter Arbeit, in Zusammenarbeit mit dem Verwaltungs- und Personalrat, das Krankenhaus »auf Kurs gebracht habe«, das Krankenhaussystem als sehr leistungsfähig und das Krankenhaus auf die Reform gut verbereitet sehe. Ludwig Klitzsch bemerkte, dass nach der Gesundheitsreform Seehofers der gesamte »Kur- und Rehabereich« zusammenbrach und auch die allgemeine Verweildauer der Patienten im Krankenhaus kürzer geworden ist.

Einig waren sich die Gesprächspartner, dass die Bevölkerungszahl im »Gesundheitslandkreis Miesbach«, anders als in vielen anderen Landkreisen und auch die Anzahl zu behandelnder Patienten aus dem Ausland gestiegen sei, was wiederum einen erhöhten Anteil an medizinischem Personal erfordere, welches wiederum entsprechenden Wohnraum benötige. Dies sei eine Herausforderung für die Gemeinden und den Landkreis, denn das betreffe unter anderem die Thematik, die mit der Hausarztversorgung zusammenhänge. Noch sei die Hausarztsituation im Landkreis gut, bestätigte Dr. Florian Meier, doch die Nachwuchssorgen seien groß, da von der nachrückenden jungen Ärztegeneration überwiegend »geregelte Arbeitszeiten«, eventuell sogar »Teilzeit«, »sichere Einkommensverhältnisse« und ein »Angestelltenmodus« bevorzugt werde. Hinzu käme die angespannte Wohnsituation in einer teuren Gegend und die zeitraubenden Dokumentationspflichten, welche Einzelpraxen oft nicht mehr leisten könnten. Daher gehe der Trend zu »Gemeinschaftspraxen«, was für den Bereich der »Allgemeinmedizin« nicht geeingnet sei. Dennoch bleibe eine »individuelle Hausarztbetreuung« für die Patienten enorm wichtig.

Keine »Nachwuchssorgen« im »klinischen Bereich« bescheinigte Dr. Peter Weller. Als Chefarzt der Geriatrie im Krankenhaus Agatharied ging er auf die Leistungen im »Akut- und Rehabereich« ein, machte auf das »Durchschnittsalter« der Patienten, welches bei stolzen 93,4 Jahren liege, aufmerksam und deutete diesbezüglich eine besondere Aufmerksamkeit bei der Nachbehandlungszeit an. Er forderte, dass die Bettenanzahl und Rehaplätze in Altenheimen und der Geriatrie an das Aufkommen und das Alter der Bevölkerung angepasst werden müsse. Eine weitere Forderung betraf die Patientensteuerung. Hierzu erläuterte Dr. Florian Meier, dass die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und dem Krankenhaus Agatharied gut verlaufe, die Patienten jedoch oftmals wegen mangelnder Kommunikation mit den Notrufstellen oder dem Hausarzt die Notaufnahme aufsuchen würden. Diese würde dann zeitweise »aus allen Nähten platzen«. Besser wäre es, wenn die Patienten vor der Notaufnahme begutachtet und entweder an den Hausarzt oder niedergelassenen Facharzt zurück-, oder bei Bedarf an den Notfallarzt im Krankenhaus weitergeleitet würden.

Abschließend faßten die Diskussionsteilnehmer die Forderungen an den »Gesundheitslandkreis Miesbach« zusammen: Anpassung medizinisches Personal am Patientenaufkommen, Rahmenbedingungen bezüglich Wohnsituation und Arbeitsverhältnisse verbessern sowie Bürokratieabbau. Ludwig Klitzsch fügte noch hinzu, dass der »Aus- oder Neubau« von Pflege- und Rehabilitationsgebäuden derzeit zu teuer sei, was sich dementsprechend auf die Aufnahme von Patienten auswirke. Auch Benjamin Bartholdt bemerkte, dass genug Patienten zur Auslastung des Krankenhauses Agatharied da wären, das Personal eher zu wenig wäre und dass in Zukunft die ambulante Versorgung mehr Gewicht bekäme, was das Prüfen von Nachbehandlungsstrukturen nötig mache. In erster Linie fehle es dennoch an entsprechendem Wohnraum.

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Freuten sich über den gelungenen Veranstaltungsabend (stehend v.l).:  Jens Zangenfeind und Norbert Kerkel

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Zu guter Letzt übernahm Jens Zangenfeind in seiner Funktion als Landratskandidat nochmal das Wort und erörterte seine geplante Vorgehensweise bezüglich des Forderungskatalogs der Diskussionsteilnehmer: »Es sollte immer erst der Bedarf an Wohnraum ermittelt werden, was die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern des Landkreises erfordert. Dann müssen die baurechtliche Situation ausgewertet und die Förderverfahren ausgewählt werden. Der Landkreis muss die Gemeinden bei rechtlichen und baurechtlichen Bestimmungen unterstützen, pragmatische Lösungen erarbeiten, Investoren- und Erbbaumodelle ausloten und Nutzen-Kosten-Konzepte erstellen«.

-am- Bilder: am

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