Hegeschau 2019 im Landkreis Miesbach

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Hegeschau 2019
im Landkreis Miesbach
– Hauptreferent war Hilmar Freiherr von Münchhausen von der Deutschen Wildtierstiftung –

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Region Miesbach – Die Jagdreviere im Landkreis Miesbach teilen sich in vier Hegegemeinschaften auf:In die Hochwildhegegemeinschaft Miesbach sowie die drei Niederwildhegegemeinschaften Holzkirchen, Mangfall-Ost und Mangfall-West. Bei der diesjährigen Plicht-Hegeschau, die zur Freude aller Gäste und Beteiligten im Waitzinger Keller stattfand, präsentierten die Jägerinnen und Jäger die Abschußtrophäen des Jahres 2018.

Noch immer beschäftigten die Eindrücke und Erlebnisse des letzten Winters, insbesondere die enormen Schneemassen, die Waidfrauen– und -männer, die Waldbesitzer und die Mitarbeiter des Amts der Bayerischen Staatsforsten. Der erste Vorsitzende der Kreisgruppe Miesbach im bayerischen Jagdverband e.V., Martin Weinzierl, bemerkte, dass es beschämend sei, dass es im Landkreis Miesbach immer noch Reviere gebe, in denen Reh- und Rotwild nicht gefüttert wird. Zudem sorgte die Problematik wegen der Verbisse des Wildes an Edelhölzern und Nadelhölzern immer wieder für Diskussionsstoff zwischen Jägern und Waldbesitzern: Für die einen sind die geforderten Abschußzahlen oft zu hoch, für die anderen können sie nicht hoch genug sein oder hätten gerne die komplette „Entnahme“ des Wildes aus ihren Wäldern!

Obwohl Landrat Wolfgang Rzehak „Wald vor Wild“ und deren Durchsetzung durch die untere Jagdbehörde befürwortet, plädierte er dennoch zur Einhaltung des Tierschutzes und rief Jagd-, Wald- und Naturschutzverbände zur echten Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel, nämlich das Erreichen eines ausgewogenen Gleichgewichts zwischen Mensch, Tier und Natur, auf.

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Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz hingegen stellte mutig klar, dass nicht nur das Wild, sondern auch der Mensch mit seinen, oftmals unüberlegten und übertriebenen, Freizeit- und Sportaktivitäten im Wald und in den Bergen, aber auch die Waldbauern, mit ihren großen Gerätschaften, mit denen sie die Wälder „bewirtschafteten“, das eine oder andere zerstören. „Wir müssen uns ab und zu besinnen, wie wir mit der Natur umgehen sollen! Im Winter, wenn die Skifahrer unterwegs sind und am Abend mit Stirnlampen ihre Schneetouren machen, schrecken sie das Wild auf. Und wenn wir wieder so einen Winter wie heuer haben, da hat der Landrat ja zurecht den Katastrophenfall ausgegeben, muss man in dieser Zeit dem Wild Nahrung geben. Da reichen die angeblich zahlreich abgebrochenen Tannen- und Fichtenwipfel nicht aus, wie einige meinen! Man muss das Wild hier unterstützen!“, betonte Ingrid Pongratz und erhielt viel zustimmenden Beifall.

Der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan sprach sich für die Beibehaltung des geltenden Waffenrechts und für den Grundsatz „Wald mit Wild“ aus und ermahnte die Jägerschaft, wie wichtig es sei, die Bevölkerung mit Transparenz und Informationen bezüglich der Natur und ihrer Verantwortung, die das Waidwerk mit sich bringt, teilhaben zu lassen.

Dies befand auch der Leiter des Forstbetriebs Schliersee von den Bayerischen Staatsforsten, Jörg Meyer. Er sprach über das vergangene Jahr, das von Trockenheit im Sommer und großen Schneemengen im Winter dominiert wurde; was viele Lawinenabgänge im Gebirge zur Folge hatte und große Schäden im Wald hinterließ. Der Förster berichtete weiter, dass die Bejagung in Schliersee -während der Katastrophenfallzeit- aus Tierschutzgründen eingestellt und die tägliche Fütterung des Wildes, trotz enormer körperlicher Belastungen für die Jäger und Helfer, beibehalten wurde. Ferner wurden die Abschußvorgaben im Jahr 2018 nicht eingehalten und deshalb stelle die hohe Verbißbelastung in den neu gepflanzten Forsten zur Verjüngung des Waldes im Bereich Miesbachs, den Forstbetrieb Schliersee vor eine große Herausforderung. Es müsse aber über neue Konzepte nachgedacht werden, wie „Wald und Wild“ in Balance gebracht werden können, damit auch die gesellschaftliche Akzeptanz in der Bevölkerung erhalten werden kann. „Natürlich macht sich der Klimawandel bemerkbar“, erklärte der Forstbetriebsleiter. „Wir arbeiten nur noch die Schäden von Wind- und Schneebruch und des Borkenkäfers ab. Wir hoffen alle auf ein besseres und feuchteres Jahr für den Wald und danken für die gute Zusammenarbeit mit den Jägern und unseren Nachbarn“, resümierte Jörg Meyer.

Als Vertreterin des Tierschutzvereines des Landkreises Miesbach plädierte deren Vorsitzende Johanna Ecker-Schotte, u.a. für mehr Schonung der mittelalten Tiere, erinnerte an die moralische Verpflichtung, Wald und Wild für unsere Nachkommen zu erhalten; ermahnte im Winter die Futtermengen zu erhöhen und die Störungen der Menschen – u.a. durch Sport- und Freizeitaktivitäten – zu minimieren. Ferner forderte sie, die Jagdzeiten zu verringern und dass auch die Jägerschaft die betretungsfreien Zonen beachten soll. Außerdem bat sie, die Hunde im Wald und im Gebirge im Zaun zu halten und dass Mißstände, ob jagdlicher oder tierschutzrechtlicher Natur, den zuständigen Behörden gemeldet werden soll. „Denn tierschutzrechtliche Vergehen verunglimpfen letztendlich alle Jäger!“, so Ecker-Schotte.

Den Fachvortrag mit dem Titel „Unfrei im Freistaat? – Vom Untergang von Rot- und Gamswild in Bayern“ hielt Hilmar Freiherr von Münchhausen – von der Deutschen Wildtierstiftung aus Hamburg. Der Freiherr lobte den sehr ansprechenden Rahmen der diesjährigen Veranstaltung und dass die Hegeschau für die Öffentlichkeit zugänglich sei. Freiherr Hilmar von Münchhausen stellte die Deutsche Wildtierstiftung als „freie und unabhängige Lobbyistin für Wildtiere in Deutschland“ vor und betätigte sich – bei der Hegeschau in Miesbach – als Fürsprecher von Rot- und Gamswild, da Bayern eine der wildfeindlichsten Praktiken in Deutschland betreibe. Er bemängelte ferner, dass in Bayern das Rotwild nur auf zirka 15 Prozent der Landesfläche leben darf und dass ausserhalb der Bezirke eine gnadenlose ‚Totschieß-Politik‘ stattfindet! Jäger bemühen sich innerhalb der Bezirke um einen guten Wildbestand, ausserhalb wird das Rotwild unkontrolliert bejagdt. Das sei ein unhaltbarer Zustand, so der Freiherr.  Er möchte mit dieser Kampagne die Jäger mobilisieren, um für das Rotwild etwas zu tun. Auch der gesetzlich verankerte Grundsatz „Wald vor Wild“ ist kein nachhaltiger Grundsatz. „Es ist eine Frage der Politik, den Grund zu ändern, ihn in „Wald mit Wild“ gesetzlich zu verankern. Der Grundsatz „Wald vor Wild“ steht für die rigorose Erhöhung der Abschußvorgaben und die Vernichtung der Wildtiere voranzutreiben. Das weltweite Bewirtschaften mit den Tieren traue der bayerische Gesetzgeber den Land- und Forstwirten in Bayern nicht zu – ‚totschießen‘ ist natürlich einfacher als das bewirtschaften mit den Tieren – und so sehen die Jäger leider zu, wie in ihren Regionen die Wildtierbestände vernichtet werden. Doch die Menschen folgen nicht mehr einer staatspolitischen Doktrin, sondern lassen sich mit Volksbegehren mobilisieren – was auch für die Wildtiere möglich ist. Denn wenn die Staatsregierung bestimmte Waldflächen ausweist, dann muss auch darauf geachtet werden, dass diese Flächen auch Lebensräume für Rotwild werden dürfen. 86 Prozent der Landesflächen in Deutschland werden per Gesetz Rotwild-Frei gehalten, es herrscht ein gnadenloses Verbot! Der Freistaat verbietet die Rotwild-Haltung, trotz riesiger Waldgebiete. Es ist eine Schande, wie wenig Lebensraum der Freistaat dem Rotwild zur Verfügung stellt. Dagegen kann in Niedersachsen, Hessen und in Mecklenburg-Vorpommern der Hirsch gut leben, auch wenn die Wälder nicht so groß sind“, betonte Freiherr von Münchhausen. Er fordere, kürzere Jagd- und längere Schonzeiten einzuführen sowie das Auflösen des Grundsatzes „Wald vor Wild“ in „Wald mit Wild“. Als Kulturgut der Alpen bezeichnete er die Gams. Durch den dramatischen Lebensraumverlust, durch Zunahme des Tourismus, der jagdlichen Übernutzung, durch Krankheiten und erhöhte Fallwildverluste sowie die vermehrte Nutzung von Waldlagen, werde ein Rückgang der Population der Gemsen begünstigt. Daher müsse mit einem FFH-Monitoring (Flora-Fauna-Habitat), unter Berücksichtigung von räumlicher Ausdehnung, der Habitatqualität sowie der Sozialstruktur, herausgefunden werden, wie der Erhaltungszustand im Alpenraum in Bayern ist.

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Hilmar Freiherr von Münchhausen – von der Deutschen Wildtierstiftung – bei seinem Fachvortrag „Unfrei im Freistaat?“

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Zuerst wurde eine Analyse des Ist-Zustandes der Gamspopulation erstellt, indem von 3000 erlegten Gemsen das Alter und Geschlecht erfasst wurde. Das Ergebnis war, dass bei den jungen und mittleren Altersklassen die Abschussrate viel zu hoch war. Bei den Abschüssen durch die Bayerischen Staatsforsten stellte sich heraus, dass 1,4-mal mehr Böcke und Jungtiere gejagdt wurden, während 33 Prozent des Fallwildes Gamsgeißen waren. „Auch das Thema der Schonzeiten ist heikel“, erklärte der Freiherr. „In Bayern gibt es in den bayerischen Alpen 157.000 Hektar Schutzwald – das sind 60 Prozent des Waldes, davon befinden sich rund 40.000 Hektar in Schonzeitaufhebungsflächen, in der die Tiere auch während der eigentlich gesetzlichen Schonzeit geschossen werden dürfen. So sei der Abschuß in der Schonzeit um 16 Prozent hochgegangen, wobei 365 Gemsen in den Bayerischen Staatsforsten während der Schonzeit geschossen wurden. Die Schonzeitaufhebungsflächen, oft die besten Lebensräume für Gemsen, liegen in Vogelschutzgebieten für Auerwild oder Steinadler, im Mangfallgebirge und in Offenlandbiotopen. Dort wird das Wild geschossen, anstatt dass man es erhält, um die Flächen, die Biotope, durch Beäsung offen zu halten! Gegen die Schonzeitaufhebung votieren 70 Prozent der deutschen Bevölkerung. Besonderes zu bemäkeln ist auch die Ignorierung der Wald-Wild-Schongebiete. Der Alpenverein weist Betretungsverbote für bestimmte Gebiete aus. Diese werden von den Touristen eingehalten, jedoch halten sich Jäger nicht daran und schießen das Wild in den Gebieten trotzdem. Die Wildtierstiftung fordert, dass der Abschuß von jungen und mittelalten Wildtieren gestoppt und dass die Schonzeitaufhebung abgeschafft wird“, betonte Freiherr von Münchhausen.

Ferner referierten Stefan Kramer -vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten- zum Thema ‚forstliche Gutachten‘ und der Kreisjagdberater Tobias Hupfauer bezüglich der Abschußszahlen.

-am- Bilder: am

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