Helfen mit Herz und Pferd: Therapeutisches Reiten auf dem Straußenhof in Waakirchen

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Helfen mit Herz und Pferd:

Therapeutisches Reiten

auf dem Straußenhof

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Region Oberland / Landkreis Miesbach – Es kann jeden treffen – ein tragischer Autounfall, ein ungeschickter Sturz beim Sport, eine heimtückische Krankheit, die neurologische oder cerebrale Bewegungsstörungen nach sich ziehen können. Vielfältige Behandlungsmaß-nahmen werden angeboten, wobei auch alle Sinne angesprochen werden, wie beim Therapeutischen Reiten mit dem Pferd!

Auf dem Straußenhof in Waakirchen -beispielsweise- werden neurologischen Bewegungsstörungen, die u.a. von Multipler Sklerose, Querschnittslähmung oder als Unfallfolgen herrühren, da das Gehirn oder Rückenmark geschädigt wurden sowie bei Kindern mit cerebralen Bewegungsstörungen und deren Folgen mithilfe speziell ausgebildeten Pferden behandelt.

Im Jahr 1975 erwarb Dr. Ingrid Strauß den nach ihr benannten Straußenhof und gründete ein Jahr später die Interessengemeinschaft für Therapeutisches Reiten. Der heute gemeinnützige Verein „Therapeutisches Reiten Oberland e.V.“ bildet die organisatorische Grundlage für die Arbeit mit den Patienten. Der Verein fördert das therapeutische Reiten und führt es im Sinne der festgelegten Leitlinien des „Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten e.V.“ durch. Im Jahr 1986 kaufte Bruno Six, aus Wolnzach, den Hof und führte das Angebot des Therapeutischen Reitens weiter. Heute führt dessen Tochter Josepha Brünner den Straußenhof.

Pferde begleiten den Menschen als treue Gefährten seit Jahrtausenden. Sie haben Kontinente erobert, Kriege gewonnen, in der Landwirtschaft gearbeitet, Auszeichnungen beim Sport errungen, waren Tröster und Retter und bringen sich auch als tierische Therapeuten ein. Gundi, Willi und Leo sind nur drei der braven tierischen Mitarbeiter auf dem Straußenhof, welche die sogenannte Hippotherapie mit ihren Therapeuten und Pferdeführerinnen durchführen.

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Die Ausbildung vom Fluchttier zum verlässlichen Therapiepferd ist ein langer Lernprozess für ein Pferd. Wie Bruno Six, Eigentümer des Straußenhofes und Moderator beim alljährlichen Rosstag in Rottach-Egern erklärte, werden nur ausgewählte Pferde mit ruhigen Temperament, freundlichen Charakter und „guten Nerven“ zum Therapierpferd ausgebildet. Die Hippotherapie wird im Schritt durchgeführt. Der Schritt muss deshalb von Natur aus taktrein im Vierschlag, raumgreifend und von natürlicher „Losgelassenheit“, also unverkrampft sein, damit die richtigen Bewegungsimpulse auf den Patienten übertragen werden können. Daneben ist es für den Patienten genauso wichtig, dass er sicher und stabil auf dem Pferderücken sitzt. Dies erfordert einen kräftigen Rücken. Weitere Anforderungen an das Pferd sind, ergänzte der Pferdekenner Six, dass das Pferd beim ersten Anblick sympatisch wirkt, ein großes Auge besitzt, denn auch beim Pferd sind die Augen Spiegelbild der Seele, eine breite Stirn als Anzeichen von Mut, Ausdauer und Leistungsbereitschaft sowie ein ruhiges Ohrenspiel. Hat ein Pferd diese Voraussetzungen, dann beginnt die Ausbildung. Gewöhnen an Saumzeug und Sattel, dann an einen Reiter und schließlich, sich mit dieser Last auszubalancieren. Tägliches Trainig, so Bruno Six, stärkt die Muskulatur und festigt Sehnen und Bänder. Weiter gehts in der Ausbildung in der Reitbahn und im Gelände, dort wird der Schüler mit vielen neuen Eindrücken vertraut gemacht. Er wird an die Doppellonge gewöhnt. Auf dem Straußenhof werden die Pferde dabei gleichzeitig angespannt und lernen einen leichten Wagen zu ziehen. Abschluß dieser „Grundausbildung“ ist das Einbinden des Pferdes in die Arbeit der routinierten Therapiepferde, zunächst noch ohne Patient. Im Herdenverband verliert der Neuling leichter seine instinktiven Fluchtreflexe.

Die nächste Phase der Ausildung, erklärte Six weiter, ist dem Sicherheitstraining gewidmet. In der normalen Alltagsarbeit wird das Pferd mit ungewöhnlichen Reizen konfrontiert. Ball spielende Kinder, aufspringende Regenschirme und viele akustische Reize strömen auf das Pferd ein. Ziel dieser Ausbildung ist die Gewöhnung an fluchtauslösende Reize, ohne dass das Pferd in Panik gerät und die Nerven verliert. Weiterhin lernt das Pferd unbeweglich an einer Rampe zu stehen und geduldig zu Warten. Sind gehorsam und Vertrauen hergestellt, ist das Pferd in der Therapie einsatzbereit. Im Laufe der Zeit lernt das Pferd, sich auf den jeweiligen Patienten einzustellen und ist damit nicht nur wichtiger Helfer in der Therapie, sondern oft auch die beste Therapie, ist Six überzeugt.

Die Hippotherapie ist Krankengymnastik auf dem Pferd. Die Pferde werden dabei im Schritt von geschulten Helfern geführt, auf dem Straußenhof sämtlich ehrenamtlich arbeitende Therapeuten, Helfer und Pferdeführerinnen. Während der Hippotherapie überträgt das Pferd in der Gangart „Schritt“ rund 90 bis 110 Bewegungsimpulse pro Minute auf den Patienten. Über die Kontaktflächen Pferderücken – Gesäß – Reitsitz werden vor-zurück-, hoch-tief-, seit-zu-seit und Drehbewegungen sowie abwechselnd links-rechts Diagonalbewegungsmuster auf den Pa- tienten übertragen. Damit werden Rumpfaufrichtung, Gleichgewicht, Geschicklichkeit, Feinabstimmung und Symmetrie von Bewegungen in gangtypischer Vorwärtsbewegung geschult. Gleichlaufend werden die Funktionen von Wirbelsäule und Gelenken geübt, die Muskelkraft trainiert und der Gang geschult. Atmung, Sinne, Herz und Kreislauf des Patienten werden positiv beeinflußt. All dies ist eine Hilfe für den Menschen mit Behinderungen. Und wer schon einmal in die Gesichter der kleinen und großen Patienten nach der Therapie schaute, wurde vom Strahlen in den Augen und dem glücklichen Lachen überwältigt!

Karin Friedenberger, 1. Vorstand des Vereins „Therapeutishes Reiten Oberland“, ist der Meinung: „Für viele Kinder und auch Erwachsene ist der Termin bei uns und den Pferden beim Therapeutischen Reiten das Highlight der Woche, das sie Aufrecht hält und auf das sie sich freuen. Da tauen sie regelrecht auf!“

Heilpädagogisches Reiten, Voltigieren, wirkt über das Medium „Pferd“ erfolgreich auf Bewegungsablauf, Sinneswahrnehnung, geistige Entwicklung und Verhalten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Reitsport für Menschen mit Handicap fördert die Gesamtpersönlichkeit und trägt zur Erhaltung des Gesundheit, Vorbeugung von Krankheit, sozialer Integration und Rehabilitation bei. Alle Formen des Reitsports sind für sportfähige Menschen mit Handicap möglich, gegebenenfalls mit speziellen Hilfsmitteln. Die Hippotherapie kann vom Arzt verordnet werden und wird von Physiotherapeuten mit Zusatzausbildung für Hippotheraoie durchgeführt.

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Auf dem Straußenhof sorgen neben den Therapeuten und deren Helferinnen die Pferdeführerinnen für eine streßfreie Therapieeinheit. Diese, ebenso ehrenamtlich arbeitenden jungen, meist Mädchen ab 12 Jahren, möchten sich für Menschen mit Handicap engagieren und lieben die Zusammenarbeit mit dem Pferd. Nach einer fundierten Ausbildung als Pferdeführerin leiten diese am langen Zügel das Pferd und unterstüzten damit die Konzentration der Therapeuten auf den Patienten. Dieses Vertrauensverhältnis, das sich zwischen Therapeuten-Pferdeführerin und Pferd aufbaut, kommt natürlich dem Patienten zugute. Zu ihrer Arbeit als Pferdeführerin dürfen die jungen Mädchen auf dem Straußenhof, unter professioneller Anleitung, das Reiten erlernen. Gerne können sich Mädchen und Jungen, aber auch pferdeerfahrene Erwachsene, die sich an der Arbeit als Pferdeführer interessieren, beim Straußenhof melden.

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. Weitere Infos unter www.therapeutischesreiten-oberland.de

ar- Bilder: ar

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