Tölzer Gesundheitsforum informierte zum Thema Beckenbodenerkrankungen

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Beim Tölzer Gesundheitsforum
informierten drei Referenten

zum Thema Beckenbodenerkrankungen

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Region Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Rahmen des Tölzer Gesundheitsforums referierten die Ärzte Dr. med. Wolfgang Brummeisl, Funktionsoberarzt Urologie und Dr. med. Marc Krumrey, Leitender Oberarzt Chirurgie, beide von der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz sowie Priv. Doz. Dr. med. Stefan Rimbach, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Agatharied im Landkreis Miesbach, zum Thema „Beckenbodenerkrankungen: Moderne Diagnostik und Therapie.“

In der gut besuchten Aula der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz begrüßte Dr. med. Wolfgang Brummeisl das Auditorium und wies auf die stattfindende „Welt-Kontinenz-Woche“ vom 17. bis 23. Juni hin, da man das Leiden „Inkontingenz“ zwecks seiner Häufigkeit enttabuisieren müsse.

So erläuterte der Oberarzt auch in seinem Vortrag „Wenn die Blase spinnt – Stufentherapie der überaktiven Blase“, dass dieses Thema des ständigen Harndrangs oder ungewollten Urinverlustes ein sehr intimes, jedoch weitverbreitetes Problem sei. Die Krankheitsbilder sind unterschiedlich: Die Belastungsinkontinenz liege bei 49 Prozent. Es gibt die überaktive Harnblase ohne oder mit Urinverlust, was einen plötzlichen Harndrang hervorrufen kann sowie häufiges Wasserlassen – am Tag oder Nachts. Die gesunde Harnblase sammelt den Urin, die Füllmenge kann zwischen 300 bis 500 Milliliter betragen, um ihn dann zu einem späteren Zeitpunkt kontrolliert abzugeben. Dies geschieht durch ein komplexes Zusammenspiel von Muskeln und Nerven. Dr. Brummeisl sprach über eventuelle Problemauslöser, wie beispielsweise Medikamente, Depressionen, Tumore, Steine, Blasenentzündung, die Menopause oder Schäden durch Bestrahlungen, Nervenschädigungen oder Krankheiten wie Diabetes, Multiple Sklerose oder Parkinson. Ferner gab der Arzt einen Überblick über die Diagnostik, angefangen beim Patientenvorgespräch; erklärte standarisierte Fragebögen und das Miktionsprotokoll, die Urinanalyse, die Senkungsdiagnostik, die Blasenspiegelung und Blasendruckmessung und ging auf die Stufentherapie ein.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei einer überaktiven Blase sind vielschichtig und können unter anderem eine zeitliche Anpassung der Trinkmenge, Medikamente, ein Kontinenztraining, Physiotherapie, pflanzliche Heilmittel, Akupunktur bis hin zu operativen Verfahren, wie das Einsetzen eines sogenannten Blasenschrittmachers oder eine Implantation umfassen. Wichtig sei auch eine Veränderung der persönlichen Lebensgewohnheiten, welche u.a. eine Reduzierung des Kaffee-, Rauch- und Alkoholkonsums sowie eine Gewichtsreduktion beinhalten.

Dr. med. Marc Krumrey referierte anschließend zum Thema „Wenn der Stuhlgang nicht klappt – Von der Verstopfung bis zur Inkontinenz“. Er wies auf die hohe Dunkelziffer der Betroffenen hin. Von Verstopfung (Obstipation) sprechen Mediziner im Allgemeinen dann, wenn jemand weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang hat, dabei stark pressen muss und der Stuhl durch die längere Verweildauer im Darm hart und klumprig ist. „Sie kann temporär, als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung, während oder nach einer Schwangerschaft oder sogar chronisch und damit länger anhaltend auftreten und hat je nach Ausprägung unterschiedliche Ursachen“, so Dr. Krumrey.

Die Stuhlinkontinenz kann in ihren unterschiedlichen Ausprägungen von den Betroffenen als sehr belastend empfunden werden. So kann durch den ungewollten, unkontrollierten Abgang von Gas, flüssigen oder festen Stuhlgang mit Geruchsbelästigung, ein komplettes Zurückziehen aus der Gesellschaft, dem normalen sozialen Leben, führen. Der Oberarzt Krumrey sprach ferner über die vielfältigen Ursachen von Verstopfung und Stuhlinkontinenz, die von Schäden des Schließmuskels bis zum Mastdarmvorfall reichen können, als auch von den unterschiedlichen Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten – wie einfache medikamentöse Maßnahmen oder Hilfsmittel – wie Analtampons, über das Biofeedbacktraining bis hin zu anspruchsvollen Operationen. Doch auch bei diesem Krankheitsbild wäre eine Ernährungsumstellung sinnvoll, betonte Dr. Krumrey.

Zum Thema „Blasen-, Darm- und Gebärmuttersenkung“ und ob immer eine Operation notwenig ist, informierte Priv. Doz. Dr. med. Stefan Rimbach vom Krankenhaus Agatharied. Auch durch die Absenkung von Darm, Blase oder der Gebärmutter kann es zu einer Inkontinenz kommen. Der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe erklärte die Anatomie des weiblichen Beckens und des Beckenbodens, der Muskeln und Bänder, die Lage von Blase, Gebärmutter und Darm, gab Auskunft über die Symptome einer Senkung, sei es von Blase oder Gebärmutter und erläuterte die vier Verlaufsgrade. Betroffen seien fast immer Frauen, da ihre Beckenmuskulatur von Natur aus etwas weniger stabil, dafür aber dehnbarer ist, damit sich der Geburtskanal bei einer Geburt erweitern kann.

Ist der Beckenboden infolge einer Geburt geschwächt, kann es zu einer Absenkung der Gebärmutter oder des Darms kommen. Weitere Ursachen einer Dehnung oder Senkung können beispielsweise starke körperliche Belastung – wie schweres Heben oder Adipositas, chronische Verstopfung, Rauchen, Asthma, Diabetes oder chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen sein. Mögliche Symptome wären Schmerzen im Beckenboden, ein Druck- und Fremdkörpergefühl, eine unvollständige Blasen- und Darmentleerung, häufiger Harndrang bis hin zum ungewollten Urin- und Stuhlverlust.

Doch gibt es auch hier diverse konservative und operative Maßnahmen, beruhigte Dr. Rimbach insbesondere die weiblichen Zuhörer. Neben einer obligatorischen Umstellung der Ernährung und dem Abbau der Risikofaktoren wie Rauchen, schweres Heben und Übergewicht, kann man beispielsweise mit einem Beckenbodentraining oder mit dem Einsetzen von Pessaren eine Operation verzögern. „Mit einer Operation kann letzendlich ein sogenanntes „Netz“ implantiert werden, um die Organe an ihren ursprünglichen Platz zu fixieren. Die Erfolgsrate einer solchen OP liegt bei 90 Prozent und der Patient kann sich, nach einer zwei- bis dreitägigen Erholungsphase in der Klinik, wieder normal bewegen – was Lastenheben jedoch ausschließt“ resümierte Dr. Rimbach.

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Die drei Referenten des Abends v.l.:
Priv. Doz. Dr. med. Stefan Rimbach, Dr. med. Wolfgang Brummeisl und Dr. med. Marc Krumrey

-am- Bilder: am

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