Wirtschaftsbeirat Bayern – Podiumsdiskussion mit Ilse Aigner und Joe Kaeser

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Wirtschaftsbeirat Bayern – Podiumsdiskussion

mit Ilse Aigner und Joe Kaeser

Unternehmen im globalen Wettbewerb – Herausforderungen für die soziale Marktwirtschaft

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Die Präsidentin des Bayerischen Landtages, Ilse Aigner und der Vorsitzende des Vorstands der Siemens AG, Joe Kaeser,
waren Gäste der Wirtschaftsbeirat Bayern – Podiumsdiskussion am Tegernsee

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Region Miesbach – Unter dem Motto „Unternehmen im globalen Wettbewerb – Herausforderungen für die soziale Marktwirtschaft“ hatte die Wirtschaftsbeirat Bayern Organisation kürzlich zu einer Podiumsdiskussion an den Tegernsee eingeladen. Der Einladung von Prof. Dr. Angelika Niebler, der Präsidentin des Wirtschaftsbeirates Bayern, folgten unter anderem der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan sowie Johannes Hagn, Bürgermeister der Stadt Tegernsee; Olaf von Löwis of Menar, Bürgermeister der Marktgemeinde Holzkirchen; Alfons Besel, Bürgermeister der Gemeinde Gmund am Tegernsee; Jakob Eglseder, Bürgermeister der Gemeinde Otterfing; Dr. Martin Mihalovits, Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee sowie Herzogin Anna in Bayern mit ihrem Eheman, Freiherr Andreas von Maltzan – und trafen sich im Hotel „Das Tegernsee“. Als Ehrengäste wurden die Präsidentin des Bayerischen Landtages, Ilse Aigner und der Vorsitzende des Vorstands der Siemens AG, Joe Kaeser, begrüßt.

In ihrer Begrüßungsrede betonte Prof. Dr. Angelika Niebler, dass Bayern neben großen, international tätigen Unternehmen sowohl die mittelständischen Firmen als auch die Handwerksbetriebe benötige. Jedoch stellte sie die provokante Frage, ob die soziale Marktwirtschaft heute noch das leisten kann, was Ludig Erhardt seinerseits einst formulierte: „Wohlstand für alle, eine Wirtschaftsordnung, die sich an Regeln und Werten orientiert und ein Gesellschaftsmodell, das von Freiheit und Verantwortung getragen wird.“ Niebler führte ferner aus, dass die deutsche Bevölkerung dem Gesellschaftmodell „soziale Marktwirtschaft“ in den letzten sieben Jahrzehnten zwar sehr viel zu verdanken hätte, gab jedoch zu bedenken, ob in Zeiten, in welchen dem Land autokratische und stark kapitalistische Systeme – wie derzeit in Asien und Rußland – gegenüberstehen und im Westen alleingänge, wie von Donald Trump, zu verzeichnen sind – der Freistaat Bayern mit der sozialen Marktwirtschaft mithalten kann. Vorallem wenn in vielen europäischen Ländern der Siegeszug der Populisten anhält. Es sei andererseits aber erfreulich, dass, im Rückblick auf einige Wahlergebnisse, den Rechtsnationalisten nicht der geplante Durchmarsch geglückt sei.

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Desweiteren sprach die Präsidentin des Wirtschaftsbeirates Bayern darüber, dass auch innerhalb Deutschlands und der EU die Grundideen der sozialen Marktwirtschaft auf den Prüfstand gestellt werde und ging auf aktuelle politische Themen, wie das gegenwärtige Klimapacket und die daraus entstehenden Handlungsmöglichkeiten, die allgemeine Wohnungsnot sowie die gepante Abschaffung des Solidaritätszuschlages, ein. Zusammenfassend stellte Niebler fest, dass es eine Systemfrage sei, ob man in Richtung Planwirtschaft-Sozialismus gehen oder ob die soziale Marktwirtschaft wiederbelebt werden sollte und gab zu bedenken: „Ich glaube, die soziale Marktwirtschaft ist die beste Alternative, wir durften 70 Jahre Wohlstand erleben. Ich danke den vielen, die daran mitgearbeitet haben. Das darf man nicht aufs Spiel setzen. Ich setze auf Freiheit – auf die individuelle unternehmerische Freiheit, die Freiheit der Arbeitnehmer und Konsumenten, auf Eigentumsrechte und eine starke parlamentarische Demokratie – das, was Deutschland so stark gemacht hat.“

Joe Kaeser, bemerkte in seinem ausführlichen Impulsvortrag, dass wir eine Gesellschaft der Glückseligen seien, jedoch in einer Zeit der gewaltigen Umbrüche leben, die eine Herausforderung bedeute. Es gebe u.a. die Geopolitik, die Geoökonomie, die Technologien und den strukturellen Wandel in der Gesellschaft und etwas, das als die „vierte Industrielle Revolution“ bezeichnet, „das Internet der Dinge“ genannt und die Gesellschaft gewaltig auf die Probe stellen wird, weil es die weitere Spaltung der Gesellschaft vorantreiben kann. Die Digitalisierung ist eine binäre Funktion – man ist entweder „drin oder draussen“ – man ist Erfolgreich oder nicht. Es wird die Arbeitsweisen und die Arbeitsinhalte verändern und bis 2030 werden 375.000 Menschen in Deutschland einen neuen Beruf erlernen müssen. Das seien jedoch keine Hilfsarbeiter, so Kaeser, sondern auch Anwälte oder Ärzte; deshalb sei es wichtig zu verstehen, dass die Digitalisierung die heutige Arbeitswelt und die Gesellschaft verändern wird.

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Prof. Dr. Angelika Niebler, Präsidentin des Wirtschaftsbeirates Bayern, bei ihrer Begrüßungsrede

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Weiter sprach Kaeser über die Herausforderungen von fünf wesentlichen Dingen, die für die Gesellschaft und die Welt wichtig seien: Das wären der rasante Anstieg des Populismus und damit verbunden „Hass, Hetze und Ausgrenzung“; die globale Migration, wobei rund 70 Millionen Menschen gegenwärtig auf der Flucht seien, welche humanitäre Hilfe benötigen und nicht den Fachkräftemangel ausgleichen könnten; der Klimawandel; die Digitalisierung und die eklatante Zunahme des wirtschaftlichen Opportunismus, die grassierende „Casinomentalität“, rücksichtsloser und intelligenter wie nie – die den Anfang vom Ende einer zivilisierten Demokratie darstellt. Kaeser plädierte für die Würde des Menschen, für die man sich überall einsetzen müsse sowie eine andere Politik bezüglich des Fachkräftemangels, eine bedarfsgerechte Wirtschaftszuwanderung und eine ernsthafte Therapie, um die Krankheit „Klimawandel“ zu behandeln, wofür eine leistungsstarke Wirtschaft nötig ist.

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Der Vorsitzende des Vorstands der Siemens AG, Joe Kaeser, bei seinem Impulsvortrag

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Der Siemens-Vorstandsvorsitzende sprach ferner über die Philosophie von Firmengründern und Firmeninhabern von Familienbetrieben, da dort die Eigentümerkultur, der Moralbegriff der Langfristigkeit und der Stetigkeit daheim seien und erwähnte den Begriff des „ehrbaren Kaufmanns“. Anders in der Kapitalgesellschaft, in der Aktionäre die Eigentümer seien und professionelle Anbieter das Vermögen der Investoren vermehren möchten. Kaeser appelierte an die Anwesenden, mehr in die Bildung, insbesondere in die handwerkliche Bildung zu investieren, da sie seiner Meinung nach, die Zukunftsbranche der digitalen Welt sein wird.

Kaeser erläuterte die Problematik der internationalen Wirtschaft, mit hatte die Befürchtung, dass ein uneiniges Europa zwischen den Wirtschaftsmächten USA und China aufgerieben werden könnte. Nur mit einer gemeinsamen europäischen Wirtschaftspolitik könne Europa – und Deutschland – bestehen, da man die kulturellen Unterschiede beachten und sich dann dementsprechend positionieren müsse.

Auf die Frage, ob Ludwig Erhardt mit dem Slogan „Wohlstand für alle“ noch zeitgemäß sei, meinte er, dass eher „Würde für Alle“ und ein würdevolles Leben im Alter wichtiger ist. Daher sei Ludwig Erhardt aktueller denn je – damit durch Wohlstand die Würde des Menschen erhalten bleibt!

Bei der anschließenden Diskussion mit Ilse Aigner, Angelika Niebler und Joe Kaeser wurden einzelne Themen mit dem Publikum erörtert. U.a.: Die Einführung der Vermögenssteuer, da diese als Substanzsteuer das Vermögen beziehungsweise den Gewinn einem Unternehmen entzieht und somit dessen Wirtschaftskraft abnehmen könnte. Dies kann zur Schwächung einer ganzen Gemeinde oder Stadt führen. „Eine Firma hat Mitarbeiter, die in den örtlichen Geschäften einkaufen, die wiederum an die Gemeinde Steuern zahlen. Muss jedoch die Firma ihre Mitarbeiter entlassen, so fehlen den örtlichen Geschäften die Kunden und somit einer Gemeinde ihre Einkünfte, die somit keine Investitionen in die Infrastruktur – wie in den Bau von Kindergärten – leisten kann. Eigentlich ein nachvollziehender Kreislauf!“, resümierte Kaeser.

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